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26.05.2017

Angriff auf Bus mit Christen in Ägypten: Mindestens 28 Tote

Sicherheitsquellen zufolge waren die Opfer auf dem Weg zu einem Kloster. Mehr als 20 weitere Menschen wurden zudem verletzt.

Ägyptens christliche Minderheit ist erneut Opfer eines verheerenden Terroranschlags geworden. Bei einem Angriff bewaffneter Männer auf einen Bus wurden am Freitag im Zentrum des Landes mindestens 28 Christen getötet, darunter zwei kleine Kinder, wie das Krisenzentrum der Provinz Al-Minja am Freitag erklärte. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen in Kairo wurden 22 Menschen verletzt. Zunächst war unklar, wer für die Tat verantwortlich ist. Davor war von mindestens 26 Toten berichtet worden.

Der Bus war in Minja auf dem Weg zu einem Kloster, als er von Angreifern mit automatischen Waffen beschossen wurde, wie Provinzgouverneur Essam al-Bedaui im Staatsfernsehen sagte. Die Angreifer konnten seinen Angaben zufolge fliehen. Die Polizei riegelte die Umgebung mit Kontrollpunkten ab. Wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums im Staatsfernsehen sagte, wurden bei der Attacke mindestens 26 Menschen getötet und 25 weitere verletzt.

IS reklamiert Taten für sich

Ägyptens Christen waren bereits mehrfach Ziel von Anschlägen. Anfang April starben am Palmsonntag bei einem Doppelanschlag auf Kirchen in Alexandria und in Tanta mehr als 45 Menschen. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) reklamierte die Taten für sich.

Zuvor hatte sich im Dezember 2016 ein Selbstmordattentäter während einer Sonntagsmesse in der koptischen Kirche St. Peter und Paul in Kairo in die Luft gesprengt. 29 Menschen wurden getötet und dutzende weitere verletzt. Auch diesen Anschlag reklamierte der IS für sich. Im Februar rief die Jihadistenmiliz in einem Video zu Gewalt gegen Kopten auf, hunderte Angehörige der Minderheit flohen bereits von der Sinai-Halbinsel.
Anfang Mai drohten die Extremisten mit neuen Angriffen auf Christen. Muslime sollten Ansammlungen von Christen und Ausländern aus dem Westen meiden, warnte ein namentlich nicht genannter Anführer der Gruppe in einem Interview der IS-Publikation "Al-Nabaa". Er forderte Muslime auch dazu auf, Einrichtungen der ägyptischen Armee, Polizei und Regierung fernzubleiben.
Christen machen rund zehn Prozent der mehr als 90 Millionen Ägypter aus. Papst Franziskus hatte Ägypten Ende April bei einem Besuch in Kairo im Kampf gegen religiösen Extremismus und Terror gegen Christen in die Pflicht genommen. Die Probleme müssten sofort angegangen werden, "um ein noch schlimmeres Abdriften in die Gewalt zu vermeiden", sagte der Pontifex bei einem Treffen mit Staatspräsident Abdel Fattah al-Sisi.
Die Kopten bilden die christliche Minderheit in Ägypten. Ihre Herkunft leiten sie von den alten Ägyptern ab. Der arabische Name „Kibt“ lässt sich auf das griechische „Aigyptos“ zurückführen. Der Anteil der Kopten unter den rund 90 Millionen Einwohnern Ägyptens beträgt etwa zehn Prozent, verlässliche Statistiken gibt es aber nicht.

Die Kopten - Christen in Ägypten

Die koptische Kirche ist die größte christliche Gemeinschaft im Nahen und Mittleren Osten. Weltweit gibt es 15 Millionen Kopten. In Ägypten bilden sie die mit Abstand größte Gruppe der bis zu acht Millionen Christen. Zu ihren bekanntesten Vertretern zählte der frühere UNO-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali (1922-2016).

Oberhaupt der Kopten ist Tawadros II. (seit 2012). Er trägt den Titel "Papst von Alexandria und Patriarch des Heiligen Stuhls von St. Markus". Der Begriff Kopten ist aus dem arabischen Wort für Ägypter hergeleitet.

Offiziell können die Kopten ihre Religion in Ägypten frei ausüben. Spannungen mit der muslimischen Bevölkerungsmehrheit gibt es vor allem in ländlichen Gebieten. In den vergangenen Jahren kam es wiederholt zu Anschlägen islamistischer Fanatiker auf private oder öffentliche Einrichtungen der Kopten. So hatte es im April Anschläge auf zwei Kirchen mit mehr als 40 Toten gegeben.

Die koptische Kirche wurde der Überlieferung nach vor rund 2.000 Jahren vom Evangelisten Markus in Ägypten gegründet. Die eigentliche koptisch-orthodoxe Kirche entstand nach dem Konzil von Chalkedon im Jahre 451. Damals unterlag der Patriarch von Alexandria im Dogmenstreit um die Natur Jesu Christi. Im Zuge der Islamisierung ab 640 traten viele Kopten freiwillig oder gezwungen zum Islam über.

Kopten in Ägypten immer wieder Opfer von Gewalt

Die koptisch-orthodoxe Kirche ist die größte christliche Glaubensgemeinschaft im Nahen Osten, ihre Anhänger machen etwa zehn Prozent der rund 90 Millionen Einwohner Ägyptens aus. Gegen die Minderheit werden immer wieder Anschläge verübt. Am Freitag starben bei einem Angriff auf einen Bus mit koptischen Christen mindestens 26 Menschen.

Erst Anfang April wurden am Palmsonntag bei Anschlägen gegen zwei Kirchen in Alexandria sowie in Tanta nördlich von Kairo insgesamt 45 Menschen getötet. Zu der Tat bekannte sich die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS).

Am 11. Dezember 2016 hatte sich ein Selbstmordattentäter während einer Sonntagsmesse in der koptischen Kirche St. Peter und Paul in Kairo in die Luft gesprengt. 29 Menschen wurden getötet und dutzende weitere verletzt. Auch diesen Anschlag reklamierte der IS für sich. Im Februar rief die Jihadistenmiliz in einem Video zu Gewalt gegen Kopten auf, hunderte Angehörige der Minderheit flohen bereits von der Sinai-Halbinsel.

Jihadistengruppen werfen den Kopten in Ägypten vor, den Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi im Sommer 2013 unterstützt zu haben. Seitdem wurden nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten mehr als 40 koptische Kirchen in Brand gesetzt oder beschädigt.

Unter dem Einfluss der Muslimbrüder habe sich die Lage der ägyptischen Christen aber schon in den Jahren zuvor verschlechtert, sagt Samir Khalil vom Päpstlichen Orientalischen Institut in Rom. Die Islamisten hätten die Ägypter gegen die Christen aufgestachelt.

Die Kopten fühlen sich in vielen Bereichen benachteiligt und beklagen, dass sie von Posten in der Justiz, an Universitäten und bei der Polizei ausgeschlossen werden. Die Kopten fühlten sich als "Bürger zweiter Klasse", sagt ein ranghoher Vertreter des Vatikans. Neben den orthodoxen Kopten gibt es in Ägypten eine kleine katholische Gemeinschaft, der rund 270.000 Gläubige angehören.

Ägypten: Schönborn "entsetzt" über neuerlichen Anschlag auf Kopten

"Tief betroffen und entsetzt" über den jüngsten Anschlag auf koptische Christen in Ägypten hat sich Kardinal Christoph Schönborn gezeigt. Sein Gebet und sein Mitgefühl seien bei den Opfern und ihren Angehörigen, so der Kardinal am Freitag gegenüber "Kathpress".

Jedes neue Attentat mache deutlich, dass der Hass nicht das letzte Wort haben darf, so Schönborn. Er erinnerte gegenüber "Kathpress" daran, dass er im vergangenen Oktober al-Minja besucht hatte und dort mit dem örtlichen Bischof und Angehörigen von jenen Kopten zusammengetroffen war, die in Libyen von der Terrormiliz IS ermordet wurden.

Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) hat den Anschlag auf Kopten in Ägypten verurteilt. "Meine aufrichtige Anteilnahme gilt den Opfern und ihren Familien. Die Versuche radikalislamistischer Gruppen Ägypten zu destabilisieren wird keinen Erfolg haben", schrieb Kern am Freitag im Online-Netzwerk Facebook. Kern hatte Ägypten am Mittwoch besucht.

"Österreich und Europa stehen an der Seite des ägyptischen Volkes und der vom Terror geplagten Kopten. Die Beiträge Europas zur wirtschaftlichen Entwicklung und die gemeinsamen Maßnahmen zur Bekämpfung von Terror werden wir wie vereinbart fortsetzen."

Israel verurteilte die Tat scharf. Es gebe keinen Unterschied zwischen dem Terror, der Ägypten getroffen habe, und dem Terror der andere Staaten getroffen habe. Der Terror werde schneller besiegt sein, wenn alle Länder ihn gemeinsam bekämpfen würden, hieß es in einer Mitteilung des Büros von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu.

Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeigte sich "erschüttert, dass zum wiederholten Male koptische Christen in Ägypten Opfer eines Anschlags wurden". Der deutsche Innenminister Thomas de Maiziere erfuhr auf dem Kirchentag in Berlin während eines Treffens mit dem Großimam des islamischen Lehrinstituts Al-Azhar in Kairo, Ahmed Mohammed al-Tajjib, von dem Anschlag. "Wir sind erschüttert und sind uns absolut einig: Terrorismus im Namen der Religion ist Missbrauch der Religion. Jede terroristische Tat ist eine abscheuliche Tat, die ich aufs Schärfste verurteile", erklärte der Minister.