Politik | Ausland
28.12.2011

„Andere Mittel“: USA drohen Assad

Washington: Die Weltgemeinschaft könnte „andere Mittel in Erwägung ziehen." 70.000 Menschen demonstrierten während Feuerpause in Homs.

Die USA drohen mit "weiteren Schritten", sollte Syrien der Friedensmission der Arabischen Liga die Zusammenarbeit verweigern. Welche Maßnahmen das genau sind, teilte das US-Außenministerium am Dienstag aber nicht mit. "Wenn das syrische Regime weiter die Anstrengungen der Arabischen Liga missachtet und sich widerspenstig zeigt, wird die Weltgemeinschaft andere Mittel in Erwägung ziehen, um syrische Zivilisten zu schützen."

Abermals verurteilte Washington das Blutvergießen auf das Schärfste. "Wir sahen Bilder von wahllosem Beschuss, auch durch Panzer, und haben Berichte über Dutzende Tote, Tausende von Festnahmen und über zusammengeschlagene, friedliche Demonstranten gehört", hieß es in der Mitteilung weiter.

Feuerpause in Homs

In der seit Wochen umkämpften Protesthochburg Homs hatten zuvor Beobachter der Arabischen Liga ihre Mission in Syrien gestartet. Am Dienstagvormittag erreichte eine Delegation unter Führung des sudanesischen Generals Mustafa al-Dabi die drittgrößte Stadt des Landes. Wenige Stunden zuvor waren dort bei heftigen Kämpfen mindestens sechs Menschen getötet worden.

Die Armee stellte das Feuer nach Oppositionsangaben später aber zur Ankunft der Mission ein. Elf Panzer wurden aus dem Unruhedistrikt Baba Amro abgezogen, teilte die in London ansässige syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Die Gegend habe seit Montag unter Dauerbeschuss gestanden, hieß es. Insgesamt sollen dabei 60 Menschen ums Leben gekommen sein.

Großdemo gegen Assad

Zur Begrüßung der Beobachter strömten Tausende Menschen aus ihren Häusern. Nach Angaben von Oppositionellen versammelten sich im Zentrum der Stadt 70.000 Menschen und forderten den Sturz des Regimes von Präsident Bashar al-Assad. Die zwölfköpfige Delegation kam zunächst mit dem Gouverneur der Stadt, Ghassan Abdelal, zusammen, wie das Staatsfernsehen berichtete. Nach dem Besuch der besonders umkämpften Stadtteile wollte die Gruppe auch nach Hama und Idlib reisen, wo es ebenfalls immer wieder zu Auseinandersetzungen kommt. Wann die Beobachter Homs verlassen, war jedoch unklar.

In Idlib nahe der Grenze zur Türkei hat es in der vergangenen Woche heftige Gefechte zwischen der syrischen Armee und Deserteuren gegeben. Dabei wurden nach Angaben von Aktivisten aus der Region etwa 250 Menschen getötet. Wegen der Medienblockade sind Berichte aus Syrien von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen.

Beobachter "zuversichtlich"

Der Chef der Beobachterdelegation, der umstrittene sudanesische General Mohammed Ahmed Mustafa al-Dabi, sieht die Friedensmission optimistisch. Der General äußerte sich in der panarabischen Zeitung Al-Hayat (Mittwoch) "zuversichtlich", dass die Mission ein gutes Stück vorankommen werde.

Ziel der Arabischen Liga ist es, das seit März andauernde Blutvergießen in dem Land durch Vermittlung zu beenden. Die Beobachter sollen den Abzug der Armee aus den Hochburgen der Anti-Regime-Proteste und die Freilassung politischer Gefangener überwachen. Dabi sagte, die syrischen Behörden seien bisher kooperativ gewesen.