Heftige Kritik: Der steirische SPÖ-Chef Schickhofer reibt sich wonniglich an Finanzminister Schelling

© APA/ERWIN SCHERIAU

Analyse
10/19/2016

Warum Schickhofer den Finanzminister "Möbelhändler" schimpft

von Christian Böhmer

Der Tag war noch jung, doch Michael Schickhofer klang richtig geladen. "Hans Jörg Schelling ist mehr Kapitalist als Reformer!", wetterte der steirische Landeshauptmann-Stellvertreter am Dienstag im Ö1-Morgenjournal. Und um die persönliche Kritik auf die Spitze zu treiben, warf der steirische SPÖ-Chef dem Finanzminister und früheren Möbel-Leiner und Möbel-Lutz-Manager vor, er fördere bloß "Großkonzerne" und führe sein Ressort wie ein Unternehmen: "Österreich ist kein Möbelhaus!"

Bemerkenswert war, wie zurückhaltend der Attackierte reagierte: "Ich führe keine Verhandlungen über die Medien", so Schelling knapp. Kein böses Wort? Keine rhetorische Retourkutsche?

Um die beiden zu verstehen, muss man zwei Dinge auseinanderhalten: Tonalität und Inhalt.

Profilierung

Was den Ton angeht, versucht Schickhofer – auch – ein Zeitfenster zu nutzen: "Die Steiermark hat ein halbes Jahr lang den Vorsitz in der Landeshauptleute-Konferenz und damit ist Schickhofer Sprecher aller Finanzlandesräte. Eine Möglichkeit, sich in der Rolle zu profilieren, ist, sich am Bund zu reiben – und das tut er", heißt es im Büro eines ÖVP-Landeshauptmannes.

Hinzu kommt: Nachdem Schelling dem 36-Jährigen durch die Blume gesagt hatte, er sei unerfahren, wollte Schickhofer nicht einfach zur Tagesordnung übergehen und griff vorübergehend zu härteren Bandagen.

In der Sache selbst, also im Streit um die 500 Millionen Euro, die der Steirer vom Bund fordert, weiß er die Länder hinter sich. "Es gibt einen von allen getragenen Beschluss, wonach wir für die Mehrkosten bei Flüchtlingen, Ärzten und Mindestsicherung eine halbe Milliarde Euro fordern", so ein Länder-Verhandler.

Schickhofer selbst sieht nichts Böses an seiner Schelling-Schelte: "Die Emotion kam daher, dass er zwar Konzernen Steuersenkungen in Aussicht stellt, andererseits aber keine Mittel für die Kommunen und damit für Spitäler und Kindergärten zur Verfügung stellen will", sagt Schickhofer zum KURIER. "Aber zugegeben, meine Formulierungen waren pointiert."

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