Politik | Ausland
13.01.2018

Afrika: Trump soll sich für Rassismus entschuldigen

UNO-Botschafter sämtlicher afrikanischer Länder verurteilen "rassistische und fremdenfeindliche Bemerkungen". Trump bestritt seine Äußerungen nur teilweise. Die US-Botschaft in London widersprach ihrem Präsidenten in einer anderen Sache. Der ging unterdessen zum Arzt.

US-Präsident Donald Trump hat mit seinen abfälligen Äußerungen über die Herkunftsländer von Migranten einen Kontinent gegen sich aufgebracht: 54 afrikanische Staaten forderten Trump am Freitag auf, sich für die Bezeichnung "Drecksloch-Länder" zu entschuldigen und sie zu widerrufen. Zuvor hatte bereits die AU Trumps Wortwahl als "offensichtlich" rassistisch und "überaus erschütternd" bezeichnet.

Die Botschafter der afrikanischen Länder bei der UNO erklärten nach einer vierstündigen Dringlichkeitssitzung in New York, sie seien "äußerst erschüttert über die empörenden, rassistischen und fremdenfeindlichen Bemerkungen des Präsidenten der Vereinigten Staaten", über die Medien umfangreich berichtet hätten, und verurteilten diese auf das Schärfste. Sie seien "besorgt über den anhaltenden und wachsenden Trend der US-Regierung gegenüber Afrika und Menschen afrikanischer Herkunft, den Kontinent und Farbige zu verunglimpfen".

Gleichzeitig dankten die UNO-Botschafter jenen US-Bürgern "aus allen Gesellschaftsschichten, die die Bemerkungen verurteilt haben". Die scharf formulierte Stellungnahme wurde einstimmig verabschiedet. "Dieses eine Mal sind wir uns einig", sagte ein Botschafter, der anonym bleiben wollte, AFP.

Trumps mutmaßliche Äußerung sei "nicht nur verletzend (...) für Menschen afrikanischen Ursprungs in den USA, sondern zweifellos auch für afrikanische Bürger", sagte Ebba Kalondo, die Sprecherin des Kommissionspräsidenten der Afrikanischen Union (AU), Moussa Faki Mahamat.

"Shithole-countries"

Trump soll Medienberichten zufolge arme Herkunftsländer von Einwanderern als "Drecksloch-Länder" verunglimpft haben. Die Zeitungen " Washington Post" und "New York Times" berichteten, Trump habe bei einem Treffen mit Parlamentariern zur Einwanderungsreform im Weißen Haus gefragt: "Warum kommen all diese Menschen aus Drecksloch-Ländern (auf Englisch: "shithole countries") hierher?" Nach Angaben beider Blätter, die sich auf Sitzungsteilnehmer beriefen, bezog sich Trump auf afrikanische Staaten sowie auf Haiti, laut "Washington Post" zudem auf El Salvador. Demnach sagte Trump auch: "Warum brauchen wir mehr Haitianer? Schmeißt sie raus."

Trump wies die Berichte zurück - allerdings nicht komplett. Er habe eine "harte Sprache" benutzt, schrieb er im Kurzbotschaftendienst Twitter. "Aber das war nicht die benutzte Sprache." Konkret dementierte der Präsident lediglich die abfälligen Äußerungen über Haiti und die Haitianer. Er habe nie gesagt: "Schmeißt sie raus". Wenig später erklärte er, er habe nie etwas Abfälliges über Haitianer gesagt, außer dass Haiti ein "sehr armes und unruhiges Land" sei. Zur Formulierung "Drecksloch-Länder" äußerte er sich nicht.

Der bei der Sitzung anwesende Senator Dick Durbin von den oppositionellen Demokraten bestätigte, dass Trump "exakt dieses Wort" verwendet habe - und zwar "nicht nur einmal, sondern wiederholt". Im Fernsehsender MSNBC beklagte Durbin "abscheuliche und vulgäre Äußerungen" des Präsidenten. "Ich habe nicht ein einziges Wort gelesen, das nicht gefallen wäre", sagte er am Freitag.

Rassistisch, abscheulich, niederträchtig

Die Regierung von Botswana zitierte den US-Botschafter ins Außenministerium. Trumps mutmaßliche Worte seien "im höchsten Maße unverantwortlich, verwerflich und rassistisch", erklärte das Außenministerium des südafrikanischen Landes.

Die Regierung des Karibikstaats Haiti erklärte, sollten die Bemerkungen tatsächlich so gefallen sein, seien sie als Ausdruck einer "verkürzten und rassistischen Sichtweise" inakzeptabel. Die kolportierten Äußerungen seien "abscheulich und niederträchtig". Die salvadorianische Regierung sah eine Verletzung der "Würde" des zentralamerikanischen Landes und reichte eine förmliche Protestnote bei der US-Regierung ein. Kritik hagelte es auch aus den Reihen der Kongressmitglieder.

US-Botschaft in London widerspricht eigenem Präsidenten

Die US-Botschaft in London hat der Darstellung von Präsident Donald Trump zum Umzug der Vertretung vehement widersprochen. Die alte US-Botschaft am Londoner Grosvenor Square habe nicht mehr den heutigen Sicherheitsstandards entsprochen, hieß es in einer Mitteilung der Botschaft.

Unter anderem durch einen Grundstückstausch sei es gelungen, das neue, hochmoderne und hermetisch gesicherte Botschaftsgebäude ohne zusätzliche Belastung des US-Steuerzahlers zu bauen. Die Pläne dazu seien bereits 2007 entstanden.

Trump hatte seinen Besuch zu der Eröffnung mit der Begründung abgesagt, die Regierung seines Vorgängers Barack Obama habe die alte Botschaft in bester Lage zu einem Schleuderpreis hergegeben. Die Entscheidung war jedoch bereits zu einer Zeit getroffen worden, als Obama noch gar nicht US-Präsident war, sondern Trumps Parteifreund George W. Bush.

In britischen Medien wurde gemutmaßt, dass es Trump bei der Absage gar nicht um das Botschaftsgebäude ging, sondern um die Tatsache, dass große Proteste der britischen Bevölkerung gegen seinen Besuch erwartet worden waren. Außerdem sei ihm der für ihn im Protokoll vorgesehene Auftritt nicht angemessen erschienen.

Trump ließ sich untersuchen

US-Präsident Donald Trump hat sich am Freitag erstmals in seiner Amtszeit einer offiziellen medizinischen Untersuchung unterzogen. Für den Check-Up verbrachte er am Nachmittag mehrere Stunden im Militärkrankenhaus Walter Reed Military Medical Center in Bethesda bei Washington. Nach der Untersuchung verließ er das Krankenhaus gemeinsam mit dem Leibarzt des Weißen Hauses, Ronny Jackson.

Das Weiße Haus hatte im Vorfeld wenige Einblicke erlaubt, worauf sich die Untersuchung beziehen sollte. Es hieß nur, der geistige Zustand des Präsidenten sei nicht Gegenstand des Check-Ups. Medienberichten zufolge sollten Blutwerte, Verdauungstrakt, Bewegungsapparat und Haut des US-Staatsoberhauptes überprüft werden. Das Weiße Haus kündigte an, Jackson werde am nächsten Dienstag ausführlich Stellung zu den Untersuchungsergebnissen nehmen. Am Freitag wurden zunächst keine Details bekannt.

Die Untersuchung am Freitag sei außergewöhnlich gut gelaufen, teilte Ronny Jackson schon im Anschluss mit. Zu Einzelheiten wolle er sich am Dienstag äußern. Für den 71-jährigen Trump war es die erste Routineuntersuchung als Präsident. Er ist seit fast einem Jahr im Amt.

Trumps Gesundheitszustand war wiederholt Gegenstand von Spekulationen. Mehrfach stellten Kritiker seine geistige und körperliche Eignung für das Amt des Staatsoberhauptes infrage. Trump selbst zeigte sich am Donnerstag zuversichtlich, dass der Gesundheitstest gut ausfallen werde. "Ich wäre sehr überrascht, wenn es nicht so wäre", sagte er.