Rauch geht beim Militärkrankenhaus in Kabul auf

© REUTERS/MOHAMMAD ISMAIL

Afghanistan
03/08/2017

Mehr als 30 Tote bei IS-Angriff auf Spital

Die Angreifer der Terrormiliz IS verkleideten sich als Ärzte, um in das Militärkrankenhaus in Kabul zu gelangen. Rund sieben Stunden dauerten die Gefechte.

Bei dem Angriff auf ein Militärkrankenhaus in Kabul sind am Mittwoch mehr als 30 Menschen getötet worden. Etwa 50 weitere wurden nach Angaben des afghanischen Verteidigungsministeriums verletzt, als Angreifer der Jihadistenmiliz "Islamischer" Staat (IS) das größte Militärkrankenhaus Kabuls stürmten. Die meisten Opfer seien Patienten, Ärzte und Pfleger, sagte ein Ministeriumssprecher.

Der Angriff konnte erst nach siebenstündigen Gefechten beendet werfen. Der Sprecher des Innenministeriums, Sediq Sediqqi, meldete: Alle Terroristen seien tot.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums hatten vier mit Kalaschnikows und Handgranaten bewaffnete Männer das Krankenhaus Mohammad Daud Khan kurz nach 9.00 Uhr (Ortszeit) angegriffen. Ein Täter sprengte sich am Tor in die Luft, ein weiterer sei erschossen worden. Die Gefechte mit den verbleibenden zwei Angreifern hatten stundenlang gedauert.

Der IS ließ hingegen über sein Sprachrohr Amaq verlauten, seine Kämpfer hätten mindestens 100 Menschen getötet. "Eindringlinge des 'Islamischen Staates' greifen das Militärkrankenhaus in Kabul an", teilte die Terrormiliz über den Kurzbotschaftendienst Telegram mit. Die radikal-islamischen Taliban bestritten, etwas mit dem Angriff zu tun zu haben.

Zahlen von Regierungssprechern sind in der Regel niedrig, und es gab Anlässe, zu denen Todesopfer verschwiegen wurden. Die Angaben von Extremisten sind dagegen oft übertrieben. Opferzahlen lassen sich unabhängig oft nur schwer überprüfen.

Chaotische Szenen

Mitarbeiter des Krankenhauses berichteten der Nachrichtenagentur AFP von chaotischen Szenen in dem 400-Betten-Haus: "Die Angreifer schießen überall um sich", sagte Verwaltungsmitarbeiter Abdul Hakim. "Wir versuchen, die Situation unter Kontrolle zu bringen."

Ein Krankenpfleger berichtete: "Ich sah einen der Angreifer mit einer Kalaschnikow und als Arzt verkleidet", sagte Abdul Kader AFP. "Er schoss auf Patienten und Wachleute im dritten Stock." Ein Freund von ihm sei angeschossen worden, ihm selbst sei die Flucht gelungen. "Betet für uns", schrieb ein Mitarbeiter im sozialen Netzwerk Facebook.

In der Klinik werden Militärangehörige aus dem ganzen Land behandelt. Sie liegt an einer großen Kreuzung. Auf der anderen Straßenseite befindet sich die stark gesicherte US-Botschaft.

Es ist der vierte große Angriff in Kabul seit Jahresbeginn. Erst am 1. März hatten die Taliban bei Anschlägen auf eine Polizeistation und ein Geheimdienstbüro 23 Menschen getötet und mindestens 107 verletzt. Bei einem Angriff des IS auf ein Gericht wurden im Februar mindestens 22 Menschen getötet und mindestens 41 weitere verletzt. Im Jänner starben bei einem Talibanangriff auf das Parlament 37 Menschen. Um die 100 wurden verletzt.

In Kabul war im vergangenen Jahr die Zahl der Anschlägen stark gestiegen. Die Zahl der zivilen Opfer stieg laut UNO innerhalb eines Jahres um 75 Prozent. Die Terrormiliz IS will in Afghanistan und Pakistan eine neue "Provinz" aufbauen, unter dem Namen IS-Khorazan. Seine Kämpfer hatten sich lange auf die Ostprovinzen Kunar und Nangarhar beschränkt. Aber eine IS-Zelle in Kabul ist aktiver geworden.

In der Gegend - dem Viertel Wazir Akbar Khan - liegen auch die US-Botschaft, andere Botschaften sowie die Büros und Gästehäuser vieler internationaler Organisationen.

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