The damaged interior of the Saint Moussa Church is seen a day after it was torched in sectarian violence following the dispersal of two Cairo sit-ins of supporters of the ousted Islamist President Mohammed Morsi, in Minya, south of Cairo, Egypt, Thursday, Aug. 15, 2013. Egypt faced a new phase of uncertainty on Thursday after the bloodiest day since its Arab Spring began, with hundreds of people reported killed and thousands injured as police smashed two protest camps of supporters of the deposed Islamist president. Wednesday's raids touched off day-long street violence that prompted the military-backed interim leaders to impose a state of emergency and curfew, and drew widespread condemnation from the Muslim world and the West, including the United States. (AP Photo/Roger Anis, El Shorouk Newspaper) EGYPT OUT

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Ägypten
08/25/2013

Islamisten-Attacken gegen Kopten

"Sie trauen sich kaum außer Haus": Zerstörungswut, Gewalt – die Kopten bekommen die Wut der Islamisten zu spüren.

von Liza Ulitzka

Wir haben versucht, das Haupttor zu schließen, aber die Islamisten brachen die Ketten auf, stürmten hinein und setzten die Kirche in Brand. Wir haben die Feuerwehr und die Armee gerufen, aber niemand ist gekommen. Also haben wir verzweifelt versucht, das Feuer selbst zu löschen“, erzählt Schwester Maryam Younan.

Vergeblich – der Klosterkomplex „Der gute Hirte“ in der Stadt Suez – die Kirche, das Kloster, ein Waisenhaus und eine Privatklinik – brannte zwei Tage lang, dann ging das Feuer von selbst aus.

Als die ägyptischen Sicherheitskräfte am 14. August die Protestlager der Muslimbrüder von Ex-Präsident Mohamed Mursi gewaltsam räumten, begannen fast zeitgleich die Attacken auf koptisch-christliche Kirchen im ganzen Land. Es sind Racheakte, weil nach Meinung der Muslimbrüder die Kopten auch hinter dem Sturz ihres Präsidenten stehen. Der neue koptische Papst Tawadros II.– er ist erst seit dem Vorjahr im Amt – hatte den Putsch gegen Mursi öffentlich mit Dankesgesten an die Armee gelobt. Aber nicht nur radikale Mursi-Anhänger, sondern auch bezahlte Schlägertrupps sollen hinter den Angriffen gegen die Kopten, ihre Kirchen, Häuser und Geschäfte stehen.

Kriminelle angeheuert

Schwester Maryam Younan ist inzwischen vorübergehend in die Hauptstadt Kairo gezogen, weil es dort sicherer sei für Kopten. Sie hat immer noch Angst vor Angriffen, schildert sie dem KURIER. Ein Polizist habe ihr gesagt, dass jemand aus der Nachbarschaft Kriminelle angeheuert habe, die dort immer noch ihr Unwesen treiben könnten.

Bei den Angriffen wurden seit vergangener Woche 73 Gotteshäuser und kirchliche Institutionen angegriffen, 38 Kirchen sind komplett niedergebrannt. Armee oder Polizei kamen nicht zu Hilfe.

Hani Wahda, ein Mitglied der „Maspero-Jugendunion“, eine Gruppe von jungen Aktivisten, die sich für die Rechte der rund acht Millionen Kopten in Ägypten einsetzt, meint, dass man der Polizei diesmal keinen Vorwurf machen könne. Denn die Polizeistationen wurden selbst von einem wütenden islamistischen Mob angegriffen. Aber unter Ex-Präsident Hosni Mubarak kam es auch zu Attacken auf Kirchen. Die Sicherheitskräfte griffen damals nie ein, beklagt Wahda.

Schutz für Suez-Kanal

Schwester Maryam fragte einen Armeeoffizier, warum die Soldaten ihnen nicht zu Hilfe gekommen seien. Er antwortete, die Armee habe gewusst, dass diese Angriffe kommen würden. Aber die Soldaten wurden woanders hinbeordert, mussten den Suez-Kanal und die Grenzübergänge schützen.

In Kairo ist die Lage vergleichsweise ruhig. Aber auch hier gab es Überfälle auf einige Kirchen und einige koptische Geschäfte. Nur ein paar Kilometer von Hani Wahdas Wohnung entfernt ist ein Geschäft vollkommen ausgebrannt. Auch wenn die Meldungen von Angriffen auf Kirchen inzwischen allmählich abflauen, können sich die Kopten im Moment nur in Kairo einigermaßen sicher fühlen.

Mina Magdy Elkess ist Augenarzt und lebt in der Hauptstadt. Er ist wütend und traurig über das, was im Moment passiert. Aber Angst vor Angriffen hat er nicht. In Kairo sei die Bildungsrate höher und deswegen müsse er keine Diskriminierung befürchten, glaubt er.

Teile seiner Familie leben allerdings in Minya im Süden des Landes. Um die muss er sich jeden Tag sorgen. „Dort wurden 20 Kirchen niedergebrannt. Die Kirche, in der meine Tanten und Cousins immer gingen, ist komplett abgebrannt. Meine Verwandten trauen sich kaum noch aus ihren Häusern, weil es einfach nicht mehr sicher ist.“

Prozess gegen Muslimbrüder eröffnet

In Abwesenheit der Angeklagten begann am Sonntag das Verfahren gegen den Chef der Muslimbruderschaft und zwei Seiner Stellvertreter. Mohammed Badie sowie Khairat al-Shater und Rashad Bayumi wird von der Anklage vorgeworfen, ihre Anhänger zu Gewalt aufgerufen zu haben. Nicht klar war bis zuletzt, ob sich die drei auch wegen der Tötung von Demonstranten vor dem Hauptquartier der Muslimbruderschaft Ende Juni verantworten müssen. Derartige Vorwürfe hatte vor allem die Armeeführung erhoben. Nach nur wenigen Minuten wurde die Sitzung am Sonntag auf 29. Oktober vertagt.

Zugleich setzen die Sicherheitskräfte ihre Aktionen gegen die Muslimbrüder fort. Weitere Vertreter der Organisation wurden verhaftet. Ungeachtet dessen Riefen Unterstützer der Muslimbruderschaft zu weiteren Protesten gegen die Regierung auf.

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