Politik
17.03.2012

Aufregung um Elsners nächtlichen Tanz

Ein Fotograf lichtete den schunkelnden Helmut Elsner ab. Tanzt der Haftuntaugliche der Justiz auf der Nase herum ?

Der zu zehn Jahren Haft verurteilte Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner ist zu krank, um seine Gefängnisstrafe absitzen zu können. Aber er ist offenbar fit genug, bis in die Nachtstunden hinein zu tanzen. Zumindest kann man diesen Eindruck bekommen, wenn man ein in den Oberösterreichischen Nachrichten veröffentlichtes Foto betrachtet.

Es zeigt den im Sommer 2011 vorläufig aus der Justizanstalt Wien-Josefstadt entlassenen herzkranken 76-Jährigen in der Wiener Eden-Bar nicht beim Reden, sondern beim Tanz mit einer blonden Dame. Das Foto soll um 2.26 Uhr Früh aufgenommen worden sein.

Unmittelbare Folgen hat das für Elsner nicht, wird aus dem Wiener Landesgericht verlautet. Unabhängig von diesem Ereignis hat die zuständige Richterin Sonja Höpler-Salat den Intensivmediziner Joachim Borkenstein beauftragt, ein neues Gutachten über die Vollzugstauglichkeit von Elsner zu erstellen. Der Sachverständige hat dafür sechs Wochen Zeit. Bis jetzt hat Elsner noch keine Einladung zur Untersuchung bekommen.

 

Der KURIER fragte Elsners Ehefrau Ruth, ob sie keine Sorge habe, dass sich die Justiz durch die öffentlich gewordenen Tanz-Einlage provoziert fühlen könnte.

„Man kann nicht mit einem Teleobjektiv feststellen, ob jemand krank oder gesund ist. Das entscheiden schon immer noch die Ärzte.“ Man habe Gäste in die Eden-Bar ausgeführt, erzählt Ruth Elsner. Anwälte aus den USA, mit denen man gerade die Bawag-Causa prüfe. „Mein Mann hat mit meiner Bekannten getanzt“, sagt Ruth Elsner zum KURIER: „Das Ganze hat eineinhalb Minuten gedauert. Und es war nicht um halb drei Uhr Früh, sondern um ein Uhr.“

"Mundtot machen"

Mit der öffentlichen Debatte um diesen Auftritt in der Nachtbar wolle man ihren Mann „mundtot machen“, sagt Elsners Frau, weil er „etwas aufrührt“. Dass die Sache nach hinten losgehen und Helmut Elsner zurück ins Gefängnis befördern könnte, glaubt Ruth Elsner nicht. Ihr Mann sei nach wie vor krank: „Er ist kurzatmig und seine Füße schwellen an.“

Und beim Tanzen ist das kein Problem? „Ich kenne Leute, die mit drei Bypässen Tennis spielen gehen“, sagt Ruth Elsner. Ihr Mann trinke keinen Alkohol, rauche nicht, mache viel Bewegung an der frischen Luft.

Ob sie es in der Eden mitbekommen hat, dass fotografiert wird? Eine Gruppe von Leuten sei hereingekommen, sagt sie. Einer habe eine Kamera gezückt und abgedrückt.

Wie der KURIER erfuhr, handelte es sich dabei um eine Gruppe von Journalisten der Oberösterreichischen Nachrichten, die nach einem Fest in der Wiener Innenstadt noch auf einen Umtrunk in die Eden-Bar marschierte – und dort zufällig auf den Ex-Banker traf. „20 Minuten nach 2 Uhr ging Elsner auf die Tanzfläche“, erzählt einer der Gruppe.

Schon einmal hatte ein veröffentlichtes Foto von Elsner unangenehme Folgen für ihn. Die Aufnahme zeigte angeblich den Ex-Bawag-Chef 2006 in seinem Porsche, wie er durch Südfrankreich flitzte. Zu einem Zeitpunkt, als er seinen Angaben nach zu krank für einen Flug nach Wien zur Einvernahme war. Es war allerdings gar nicht Elsner auf dem Foto. Kurz darauf wurde er verhaftet und ausgeliefert.

„Ich hoffe“, sagt Ruth Elsner, „dass dieses Foto nicht wieder so falsch ausgelegt wird wie letztes Mal.“

Chronologie 1995 Elsner wird Generaldirektor der Bawag und nimmt die Karibikgeschäfte mit Flöttl ju­nior (die dessen Vater als Elsners Vorgänger eingefädelt hatte) wieder auf. 2000 Wolfgang Flöttl setzt 1,4 Milliarden Euro in den Sand. 2003 Elsner geht in Pen­sion und erhält 6,8 Millionen Euro Abfertigung. 2006 Die Refco-Pleite bringt die Gesamtverluste der Bawag ans Tageslicht. Die Justiz ermittelt gegen Elsner (sowie andere Bankvorstände und Wolfgang Flöttl). Elsner setzt sich nach Südfrankreich ab. 2007 Im Februar wird er ausgeliefert, im März muss er sich einer Bypass-Opera­tion unterziehen. Der Prozess startet im Juli. 2008 Am 4. Juli verkündet die Richterin und spätere Justizministerin Claudia Bandion-Ortner die Urteile. Alle neun werden nicht rechtskräftig verurteilt, Elsner erhält neuneinhalb Jahre Haft. Oktober 2010 Die Generalprokuratur "zerpflückt" Bandions Urteil und empfiehlt eine Aufhebung.  Dezember 2010 Der Oberste Gerichtshof gibt der Nichtigkeitsbeschwerde von Elsner gegen seine Verurteilung teilweise statt. Das Urteil wird in erheblichen Teilen aufgehoben. Trotzdem wird seine Strafe auf zehn Jahre Haft erhöht. Juli 2011 Helmut Elsner ist "derzeit strafvollzugs­untauglich" und darf die Haftanstalt verlassen. Dezember 2011 Flöttl und die sechs anderen Bankvorstände sollen erneut wegen Untreue angeklagt werden. Prozesstermin: 10. April 2012. Februar 2012 Elsner muss bald nochmals vor Gericht. Die Bawag fordert Schadenersatz von ihm.

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