Politik 05.12.2011

Auf der Suche nach verlorenen Investitionen

Österreich braucht mehr Unternehmer. Tut aber immer weniger dafür.

In unserer Stimmungsdemokratie gieren die Politiker permanent nach neuen Umfragen. Da werden Daten analysiert und anschließend Themen platziert, die Schlagzeile von morgen ist mehr wert als ein paar Minuten darüber nachzudenken, was richtig ist.
Im aktuellen Fall beweist eine Meinungsumfrage, was der Hausverstand auch sagt. OGM hat im Auftrag des KURIER erhoben, was die Österreicher vom Sparen und von neuen Steuern halten. Kein Wunder, die Leute sind vernünftig. Die Mehrheit versteht, dass ein Land nicht auf Dauer mehr ausgeben als einnehmen kann, die Leute wissen, dass sie länger arbeiten, also später in Pension gehen werden und bei den Steuern ergibt sich auch eine gewisse Logik: Vermögenssteuern ja, da leitet wohl der Gedanke, dass davon ja nur die sogenannten Reichen betroffen sein werden, Erbschaftssteuer nein, weil die Oma für ihr Haus ja schon Steuern gezahlt hat.

Wirtschaftsstandort

Genau so logisch und rational sind internationale Umfragen darüber, ob Österreich ein guter Wirtschaftsstandort ist. Da beobachten wir in den letzten Jahren den Trend, dass wir immer weniger attraktiv für internationale Investoren sind. Das renommierte IMD World Competitive Center weist im aktuellen Bericht sehr klar aus, wo die Stärken und Schwächen hierzulande liegen. Vereinfacht zusammengefasst: Die Unternehmen sind - im
internationalen Vergleich - effizient, die Mitarbeiter sind motiviert, die Unterschiede zwischen hohen und niedrigen Einkommen gering, das soziale Klima ist entsprechend gut. Wenig attraktiv ist der Standort Österreich wegen der geringen Jahresarbeitszeit, der immer schlechter werdenden Bildungseinrichtungen, der Pensionsfinanzierung und wegen der hohen Einkommenssteuern.

Reformen

Da fällt sofort auf, dass die Unternehmer und ihre Mitarbeiter sich erfolgreich anstrengen, während die Regierungen der letzten Jahre einfach ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben. Österreich hat die Krise des Jahres 2008 zwar ordentlich überstanden, aber für echte Reformen fehlten sowohl der Wille als auch die Kraft. Jetzt kommt die nächste Rezession, die Schulden des Staates sind noch höher und jetzt müssen wir sparen. Das kann fatal werden. Gerade jetzt muss die Regierung Maßnahmen setzen, damit wir Investitionen ins Land bekommen.

Erst kürzlich kamen erfolgreiche Unternehmer aus dem kalifornischen Silicon Valley nach London, um englischen Unternehmern zu erzählen, wie man erfolgreich Firmen gründet und welche Fehler zu vermeiden sind. Zu uns kommen sie nicht, Österreich verliert ja gerade in allen internationalen Rankings.

Im Moment sind 240.000 Selbstständige als sogenannte Ein-Personen-Unternehmen tätig. Ein neues Buch der Wirtschaftskammer erzählt 101 Geschichten von Frauen und Männern, die es geschafft haben. Mit besseren Rahmenbedingungen gäbe es bald mehr Erfolgsstorys.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011