Politik 09.04.2012

Angst vor den Nebenwirkungen am Beipackzettel

Die Macht unserer Gedanken ist ein zweischneidiges Schwert. Das zeigt sich besonders deutlich beim sogenannten Nocebo-Effekt.

Man könnte den Nocebo-Effekt als das Gegenstück zum Placebo-Effekt bezeichnen: Allein die Angst vor unerwünschten Beschwerden oder Nebenwirkungen können dazu führen, dass diese tatsächlich wahrgenommen werden. Das ist ähnlich einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Viele Menschen wissen gar nichts von diesem Phänomen. 2011 landete der Nocebo-Effekt wenig überraschend unter den Top Ten der vernachlässigten Themen, die die deutsche „Initiative Nachrichtenaufklärung“ alljährlich erstellt. „Wir wissen mittlerweile aus Studien, dass sich viele von Probanden beschriebene Arzneimittel-Nebenwirkungen bei genauer Betrachtung eigentlich als Nocebo herausstellen“, sagt der Pharmakologe Univ.-Prof. Michael Freissmuth, MedUni Wien.

Möglich sei dies durch Erwartungshaltungen – im negativen Sinn. Das betont auch der deutsche Neurologe Magnus Heier in seinem Buch „Nocebo: Wer’s glaubt, wird krank“: „Die Erwartung kann gesund machen – aber eben auch krank.“ Schon das Lesen der möglichen Nebenwirkungen auf einem Beipackzettel kann für Verunsicherung sorgen. In Zeiten des Internets und freiem Zugang zu medizinischen Informationen ist es noch schlimmer geworden. Nicht wenige googeln unspezifische Beschwerden, um dann schlaflose Nächte wegen einer möglichen schweren Erkrankung zu haben.

BUCHTIPP: Magnus Heier, Nocebo: Wer’s glaubt, wird krank. Verlag Hirzel, 17,90 €.

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( Kurier ) Erstellt am 09.04.2012