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Politik
06/28/2012

Amtskirche greift gegen Reformer durch

Machtwort – Kirchenfürsten warnen die Erneuerer und drohen mit Konsequenzen.

von Michael Berger

Der Fall des niederösterreichischen Dechants – dessen Wiederbestellung wegen seiner Mitgliedschaft in der Pfarrer-Initiative scheiterte – sorgte Donnerstag seitens der Erzdiözese Wien für eine seltene Verlautbarung. Michael Prüller, Sprecher der Erzdiözese Wien: „Der Fall Peter Meidinger ist der Einzige in unserer Erzdiözese."

Trotzdem behält es sich Kardinal Christoph Schönborn vor, weiter so zu handeln: „Wenn künftig ein Mitglied der Pfarrer-Initiative zur Ernennung des Dechanten-Amtes vorgeschlagen wird, wird der Erzbischof daher auf eine Distanzierung vom Ungehorsamsaufruf bestehen", hieß es in einer Aussendung.

Auch in der Diözese St. Pölten regiert verhaltene Unruhe. Bischof Klaus Küng betonte, so lange sich Priester an die diözesanen und weltkirchlichen Richtlinien halten, gebe es keine Probleme. Küng warnte aber vor Regelverstößen: „Ich hoffe sehr, dass ich nicht genötigt sein werde, gegen Mitbrüder vorzugehen, die in ihrer Haltung beharren."

Der Linzer Bischof Ludwig Schwarz wird mit allen, die bei der Pfarrer-Initiative unterschrieben haben, Gespräche führen, so die Diözese.

 

Loyalität

Und in der Erzdiözese Salzburg wurde ebenfalls ein Dechant „abgesetzt". Wolfgang Kumpfmüller, Sprecher von Erzbischof Alois Kothgasser: „Auf jeden Fall werden Kandidat für eine kirchliche Führungsposition sehr genau angesehen. Loyalität zum Erzbischof ist eine Grundvoraussetzung."

Moderater klingen da die Worte des steirischen Diözesanbischofs Egon Kapellari: „Ich habe wiederholt gesagt, dass man über alles reden muss, ohne jedoch falsche Hoffnungen zu wecken. Als Kampfwort sei ,Ungehorsam` nicht tragbar. Ich stehe für eine offene Kirche, aber es gibt auch Schwellen."

Die Pfarrer-Initiative findet immer mehr Anhänger. 418 Gottesmänner haben den Aufruf zum Ungehorsam unterschrieben. Ein Zehntel aller österreichischen Priester.

St. Pölten: Gebete gegen „Extremefest“

Niemand kann etwas gegen Rockkonzerte haben", sagt St. Pöltens Diözesanbischof Klaus Küng. Doch eine Musikpremiere in der Landeshauptstadt alarmiert den Oberhirten: Das „Extremefest" für Death- und Black-Metal-Fans von 5. bis 7. Juli am VAZ-Gelände. 70 Bands mit Namen wie Ketzer, Cannibal Corpse, Exodus, Hellsaw, Aborted, Marduk oder Belphegor lassen es dort krachen. VAZ-Chef Rene Voak erwartet 2000 Fans täglich.

„Die Bild-und Tonsprache dieses Festivals ist wirklich extrem" findet Küng. Nämlich „durchzogen von aggressiv-okkulten Bandnamen, Blut- und Gewaltanspielungen und verstörenden Bildern".

Weil er glaube „dass diese berauschende Mischung dem Menschen nicht gut tun kann" ruft der Bischof alle Gläubigen auf, für die Extremefest-Teilnehmer zu beten. „Gott möge einen Weg durch all die Düsternis zu den Herzen der Menschen finden." „Gar nicht" beeindruckt zeigt sich Festival-Promoter Andi Appel. „Wir befassen uns nicht damit." Die Kirche sollte tolerant sein.

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