Politik
04.01.2012

Alles Party in Sölden

Von der Abfahrt auf die Piste

Wir haben Sölden überlebt“, dröhnt es aus den Boxen der Après-Ski-Bar „Philipp“ am Fuße des Skilifts Innerwald im Tiroler Ötztal. Jürgen Satzinger, alias DJ Satzy, steht – ausgestattet mit Tirolerhut und goldenem Ohrring – auf dem Tresen der Eisbar und versucht seinen Gästen ordentlich einzuheizen. Es ist 15.30 Uhr und in der Tourismushochburg legt sich langsam die Dämmerung über die Pisten. Die Lifte stellen ihren Dienst ein, doch die Wintersportler und Barkeeper rüsten sich erst zum letzten Einkehrschwung des Tages.

Sasha, Til und Kostja aus dem Ruhrgebiet schnallen sich die Skier ab und poltern im Rhythmus zu „Hörst du die Regenwürmer husten“ zielstrebig zum Tresen. „Wir sind mit einer Gruppe von zwanzig Leuten da und haben schon öfter Urlaub in Sölden gemacht“, erzählt Kostja und nimmt erstmal einen kräftigen Schluck aus der Bierflasche. „Wir kennen uns ja aus dem Swingerclub und versuchen beim Après-Ski unsere Schüchternheit bei den Mädels zu verlieren“, feixt das Trio und lacht.

Schwitzen

Indes versucht sich Rafael mit einem voll beladenen Tablett den Weg durch die tanzende Menschenmenge zu bahnen und dabei nicht mit Heike zusammenzustoßen, die mit „Williams-Birne“ balanciert. „Derzeit fertigen wir täglich an die 800 Partytiger ab, wenn wir den Restaurantbetrieb mitrechnen sind es 1500“, berichtet DJ Satzy, der seit sechs Jahren für die Stimmung im urigen „Philipp“ zuständig ist.

Bis 19 Uhr spielt sich die feuchtfröhliche Sause an der Eisbar im Freien ab, danach geht’s in der Hütte weiter. „Wir waren lange Zeit das einzige Après-Ski-Lokal, wo die Leute mit den Skischuhen getanzt haben.“ Und besonders stolz ist der Tiroler auch auf die „Open-Air-Fußbodenheizung“, mit der das „Philipp“ „als einzige Location im deutschsprachigen Raum“ seit vorigem Jahr aufwarten kann – gespeist aus Solarzellen auf dem Dach.

„Wenn man an den Füßen schwitzt, hat man mehr Durst“, schreit er ins Mikro und saust auf dem Tresen hin und her. Chris, der dahinter steht, lässt sich von seinem Kollegen nicht beirren. Routiniert öffnet er die Bierflaschen oder schenkt Schnäpse aus. „Ich mach das schon viele Jahre, im Sommer am Ballermann in Mallorca. Mich bringt so schnell nichts aus der Ruhe“, berichtet der 28-Jährige und reicht einem Gast ein Tablett mit „Flying Lips“. Das selbst kreierte In-Getränk ist für eine Gruppe Mittzwanziger aus Mannheim bestimmt, die ihren erfolgreichen Skitag begießen. „Wir sind nur wenige Meter neben dem ,Philipps‘ untergebracht. Après-Ski macht immer Spaß, vor allem nach der dritten Runde“, meint Tanja und die Acht lassen ihre Gläser klirren.

 

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