Politik
28.01.2012

„AKH soll Spitzenmedizin machen“

Ein Vormittag auf der Gynäkologischen Ambulanz des AKH

Der Besucher steht im AKH, sucht die Frauenklinik und liest auf der Info-Tafel: Geburtsbereich und Präpartale Station, Geburtshilfe und feto-maternale Medizin, Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin und Gynäkologie und gynäkologische Onkologie. Ah ja.

Unterschiedliche Stationen auf unterschiedlichen Ebenen, aber ein Chef: Prof. Peter Husslein. Der urlaubte diese Woche auf den Malediven; und sein Stellvertreter, Oberarzt Martin Langer, will mit Journalisten nicht reden. Nicht nur er: Kein einziger Gynäkologe im AKH möchte dem KURIER-Reporter ein Interview geben. Man fühle sich ungerecht behandelt, heißt es.

Andrang

Immerhin redet die Dame an der Information. Ebene 8C, sagt sie und schickt den Besucher auf die Gynäkologie-Ambulanz (Sandra W. landete irrtümlich in der Geburtenanmeldung auf Ebene 9). Ebene 8, roter PVC-Boden und Neonlicht. Vor jedem Schalter lange Schlangen. Die einzelnen Wartezonen sind in sechs verschiedene Farben geteilt. Dort sitzen Frauen mit einem Baby im Bauch und dem KURIER in der Hand. AKH: Ärzte-Krieg nach Fehlgeburt steht da zu lesen.

„Man macht sich schon so seine Gedanken, wenn man das in der Zeitung sieht. Aber ich bin mit der Betreuung im AKH sehr zufrieden.“ Reka B. ist 32, Ungarin und seit sieben Jahren in Österreich. Jetzt erwartet sie ihr erstes Kind, das im April zur Welt kommen soll. Da Reka B. an einer Blutgerinnungsstörung leidet und sich täglich zwei Spritzen injizieren muss, wurde sie von ihrer Gynäkologin ins AKH geschickt. „Die Ärzte sollen Spezialisten für Risikoschwangerschaften sein.“

Jeden Tag behandeln diese durchschnittlich 289 Patientinnen und nehmen 37 Frauen stationär auf. Die häufigsten Fälle: bösartige Tumore, Spontangeburten und Kaiserschnitte.

Risiko

„Sandwiches, Kaffee, Getränke“ ruft die Dame mit weißer Schürze, die ihren fahrbaren Imbissstand durch die Gänge der Gynäkologie schiebt. Elisabeth Stürmer und ihr zweijährige Tochter Magdalena haben ihren eigenen Proviant mit. Die beiden sind schließlich „Stammgäste“, erzählt die Mutter. In Magdalenas kleinem Körper schlägt ein Herzschrittmacher. Magdalena war eine Frühgeburt, sie kam in der 29. Woche mit Herzrhythmus-Störungen zur Welt. „Sie hat den kleinsten Herzschrittmacher der Welt. Eine medizinische Sensation.“

Jetzt ist die 37-jährige Psychologin wieder schwanger und muss als Risikopatientin jede Woche zum Ultraschall. „So leid es mir für das Baby von Sandra W. tut, aber das AKH soll Spitzenmedizin betreiben. Sonst wäre Magdalena nicht mehr am Leben.“

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