Politik 20.01.2012

Äthiopien: Wüstendrama wegen Verwechslung?

Weil einige Touristen offensichtlich das „Eintrittsgeld“ sparen wollten, wurde der Österreicher bei Racheaktion getötet.

Es klingt unfassbar: Das Blutbad in der äthiopischen Wüste mit fünf Toten und zwei Schwerverletzten könnte wegen einer Verwechslung passiert sein. Demnach war eine Touristengruppe ohne den üblichen Wegzoll zu zahlen, im Stammesgebiet der Afar.

Die Wüstenbewohner wollten offenbar diese Gruppe entführen und Lösegeld erpressen. Dies war auch der Grund für die Entführung von Diplomaten im Jahre 2007. Nur diesmal sollen die Afar die Nerven verloren haben, möglicherweise, weil zwei Gruppen am Ort des Kampfes campierten und sie bei 27 Menschen den Überblick verloren. „Zu dem Vulkan gibt es zwei Pisten“, sagt Außenamtssprecher Peter Launsky. „Normal ist es nicht möglich, ohne Permit in das Sperrgebiet zu gelangen.“ Es könne sich auch nur um ein Gerücht handeln.

Geleitschutz

Getötet: Der Bankangestellte und Hobby-Fotograf Gerhard H., 56
© Bild: Privat

Es gibt zwei Checkpoints, wo die Erlaubnis gezeigt wird. Nach der Bezahlung eines weiteren erheblichen Betrags erhält man Geleitschutz. Laut Äthiopienreisenden gelten diese Bewaffneten als sichtbares Zeichen, dass die Gebühr bezahlt ist – eine Art menschliche Autobahnvignette. Es gibt allerdings die Möglichkeit, sich an den Checkpoints vorbeizuschleichen und so gratis in das Gebiet des Vulkans Erta Ale zu gelangen. Allerdings wird auch in Äthiopien bestraft, wer ohne „Vignette“ unterwegs ist. In Internetforen der Wüstenexperten heißt es, dass am vergangenen Woche eine Touristengruppe versucht hat, so in das Sperrgebiet zu gelangen, allerdings nicht jene Partie, bei der auch der Oberösterreicher Gerhard H., 56, mit dabei war. Unklar ist, ob es die zweite Gruppe war, die unmittelbar neben ihnen gecampt hat oder eine dritte Karawane, die unbehelligt blieb.

Offenbar wurde nicht nur die falsche Gruppe erwischt, auch die Entführung ging schief. Die Afar verschleppten „nur“ vier Personen. Wegen ihnen wird von der Regierung mit dem Stammeschef verhandelt. Dieser gilt als geldgierig, wird vor Ort nur „fucking old man“ genannt und kassiert 400 Birr (sechs Euro) pro Stunde Parkgebühr vor seiner Wüstenhütte.

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( Kurier ) Erstellt am 20.01.2012