Politik
05.12.2011

Äthiopien: Wo Mehl und Öl Glück bedeuten

Das bettelarme Land am Horn von Afrika leidet unter der Dürre wie Kenia und Somalia. "Licht für die Welt" hilft den Bedürftigen

Scheinbar ohne jede Mühe schultert die dünne Halima Madim Mahad ihre neun Kilo mit Eiweiß angereichertes Mehl, den Liter Pflanzenöl und das Kilo Salz, das sie bei der Nahrungs-Notverteilung von " Licht für die Welt" in der südäthiopischen Stadt Moyale bekommen hat. Die 30-jährige Witwe ist das Schleppen gewohnt. Als Lastenträgerin bringt die Analphabetin ihre sieben Kinder durch. "Früher haben mich Verwandte, die auf dem Land leben und arbeiten, unterstützt, wenn ich gar nichts mehr hatte. Aber durch die Dürre haben sie selber nichts mehr", sagt Frau Mahad, während ein Regenguss auf sie niedergeht und den steilen Vorplatz vor ihrem Häuschen in eine Schlammpiste verwandelt. Der Regen, befürchtet jeder im Süden Äthiopiens, ganz nah der kenianischen Grenze, der reiche vermutlich nicht aus, um eine weitere Tragödie zu verhindern. Bei Frau Mahad reicht er allerdings, um die Kartons vollends aufzuweichen, die ihren mit Bananenblättern überdachten Rundbau statt der üblichen Lehmwände begrenzen.

Zwei Mal täglich bekamen ihre Kinder - die Älteste ist sieben, der Jüngste drei - Maisbrot. "Ein Mal in der Woche versuche ich, Gemüse aufzutreiben und ein Mal im Monat Fleisch - wenn ich gute Arbeit finde", sagt die vom Leben gezeichnete Frau. Durch die Hilfe von "Licht für Welt" könne sie den Kindern jetzt endlich drei Mahlzeiten bieten. Vielleicht schafft sie es künftig auch, die Tochter in die Schule zu schicken. Bisher musste das Mädchen auf die Geschwister aufpassen und sogar für sie kochen, "denn die Buben sind nicht so gut darin, sich um ihre kleinen Brüder zu kümmern".

Das Vieh ist tot

Der Halbnomade Abdou Balla, 60, hat wegen der zweijährigen Dürre seine Existenzgrundlage verloren. 50 seiner 56 Rinder sind verendet. Der dürre Mann, der weitab der Landstraße auf einer Anhöhe lebt, muss jetzt Holzkohle erzeugen, um seine Familie mit diesem kargen Verdienst durchzubringen. "Deshalb haben wir nicht genug zu essen", flüstert Balla vor den angekohlten Knochen seines früheren Reichtums, die, welch Hohn, im grünen Gras liegen und von einem kurzen Guss gewaschen werden. Weil die dünne Erdschicht in dieser Dornbuschsavanne nicht viel Wasser aufnehmen kann, fließt der Regen den Menschen in Sturzbächen davon.

Die Borena-Region war mit rund fünf Millionen Stück Rind die Fleischkammer Äthiopiens. 80 Prozent des Viehs verendeten. Besonders schlimm traf die Halbnomaden der Tod der so wertvollen Ochsen. Dadurch konnten sie die Felder nicht einmal mit den mittelalterlichen Karren, sondern nur händisch bestellen. Und wenn diese Regenzeit nicht genug Wasser mit sich bringt, gibt es auch kein Saatgut mehr "und wir sind endgültig verloren", sagen die Verzweifelten übereinstimmend.

Eine rare Ausnahme in diesem Elend scheint jene enorm tüchtige Bäuerin zu sein, die der KURIER auf einem Feld in der armseligen Stadt Yabello antraf. Während sie die Kühe hütete, harkte sie gleichzeitig mit einem vorsintflutlichen Gerät flugs ein kleines Feld. Ihr "Multitasking" trägt Früchte: Von ihren zehn Kindern sind vier bereits an der Uni und drei im Gymnasium.

Forendschi hilf!

Von der menschenverachtenden Regierung erwartet sich anscheinend niemand etwas. Sehr wohl aber von den „Forendschi“, den Ausländern, die „Licht für die Welt“ einlud, sich davon zu überzeugen, dass Spenden als echte Überlebenshilfe an die Bedürftigen gelangen. So pochte etwa ein alter Herr bei einer Lebensmittelverteilung massiv darauf, dass er wieder sehen möchte – und wurde dank seiner Zähigkeit von uns mitgenommen nach Moyale zur Augen-OP am Grauen Star.

Eine solche OP kostet 30 Euro und ist einer der Schwerpunkte von „Licht für die Welt“. Einer jungen Mutter musste die Reporterin allerdings ihre Bitte abschlagen, ihr Baby aus der äthiopischen Qual in das Paradies Europa mitzunehmen.

Spenden werden herzlich erbeten: PSK 92 011 650, BLZ 60.000. Ein Erlagschein liegt dem KURIER bei.

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