Blaue Kornblumen in den Getreidefeldern

© Josef Leitner

ngen
07/01/2019

Aus der Todeszone wurde ein Naturparadies

Leopoldschlag. Der Grenzort war einst die Bierzentrale des Unteren Mühlviertels

Schon bei der Anreise in den Mühlviertler Markt Leopoldschlag (Bez. Freistadt, an der tschechischen Grenze) weist ein Brunnen an der Kontinental-Wasserscheide auf die besondere Lage des Ortes hin. Ein Abfluss fließt nach Norden über die Moldau in die Elbe, der andere nach Süden in die Donau und damit ins Schwarze Meer.

Sanfte Hochebene

Eine sanfte Hochebene mit viel unberührter Natur und bewegender Geschichte erwartet uns. Über Jahrzehnte herrschte hier unmittelbar am Eisernen Vorhang stille Abgeschiedenheit. Eine sommerliche Wanderung auf dem zwölf Kilometer langen „Grenzweg L2“ führt uns zum idyllischen Grenzflüsschen Maltsch. Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert wurde auch Holz nach Norden geschwemmt und nach Budweis und Prag gebracht.

Grünes Band

Wir befinden uns mitten im Europaschutzgebiet am Grünen Band Europas. Das Gewässer mit den angrenzenden Feuchtwiesen ist ein Ort für die seltene Flussperlmuschel und zahlreiche Vogelarten wie den Wachtelkönig und den Neuntöter. Fröhliches Gezwitscher begleitet uns am morgentau-nassen Uferweg, umgeben von einem lebendigen Feuchtgebiet mit verlandeten Tümpeln, Schwingrasen, Wasserlilien und Torfmoosen. Da fällt es nicht leicht, sich in die Zeit nach dem letzten Weltkrieg zu versetzen. Alle jenseits der Maltsch wohnhaften Bauern mussten ihre Heimat verlassen und zusehen, wie ihre Häuser dem Erdboden gleichgemacht wurden.

Ehemalige Pferdeeisenbahn

Der weitere Weg führt uns entlang wogender Getreidefelder. Durch einen lauschigen Wald geht es an den Grenzort Wullowitz, wo wir auf die Trasse der ehemaligen Pferdeeisenbahn treffen. Anstatt eines nicht finanzierbaren Wasserkanals wurde zum Zweck des Salztransportes eine Eisenbahn errichtet. Die örtliche Bevölkerung war gar nicht begeistert, da viele Menschen direkt oder indirekt am Salztransport mit eigenen Pferdefuhrwerken beteiligt waren und um ihre Erwerbsquelle bangten. Aber im Jahr 1832 wurde die Strecke bis nach Linz eröffnet. Der Kaiser selber war dabei anwesend. Ein Viadukt nahe dem Weiler Eisenhut erinnert noch an das Bauwerk.

Rahmsuppe und Spätzle

Zurück im Ort stärken wir uns beim Marktwirt mit Mühlviertler Rahmsuppe und Spätzle. Wirt Hans Hoffelner weist auf die lange Tradition des über 500 Jahre alten Hauses hin: „Napoleon war schon Gast hier. Anton Bruckner spielte mit Leopoldschläger Musikanten auf seiner Geige bei Tanzveranstaltungen. Auch Adalbert Stifter war als Landesschulinspektor häufig zu Gast.“

 

Einer der Gäste ist der pensionierte Schuldirektor Alois Böhm. Er hat mehrere Bücher über den Ort verfasst. Er erzählt die Gründungssage, die zur Entstehung des Ortsnamens geführt hat: „Zur Zeit der ersten Besiedlung im Mittelalter waren Leopold und sein Freund jagen. Als sie von einem Bären verfolgt wurden, kletterten sie auf einen Baum. Der Bär wollte hinaufklettern und als seine Pfote bedrohlich nahe kam, schrie Leopolds Freund: Leopold – schlag zu! So schlug Leopold dem Bären die Tatze ab und der Ort hatte einen Namen.“ Der Bär im Gemeindewappen erinnert an diese Legende.

Einst gab es 11 Brauereien

Böhm kennt noch andere bemerkenswerte Geschichten: „Bis um das Jahr 1900 befanden sind mehrere Sensenschmieden an der Maltsch. Im Ort gab es elf Brauereien. Mit der Zunftlade der Mälzer und Bierbrauer war hier die Bierzentrale des Marchlandviertels, wie das Untere Mühlviertel damals hieß.“

Autor: Josef Leitner