Meinung 19.01.2012

Tagebuch: Die Steuer-Künstler

Wolfgang Winheim © Bild: Stephan Boroviczeny

Ski-Rennläufer und Künstler zahlen in Österreich nur 17% Steuern. Hansi Hinterseer fällt (fast) in beide Kategorien.

Tauwetter in Kitz. Und zu allem Überdruss schneit’s den Lieblingen von Präsident Peter Schröcksnadel Steuer-Ärger ins Ski-Haus.Ausgerechnet die Tiroler Lieblingszeitung des Tirolers Schröcksnadel prangert die Steuerprivilegien der Skifahrer an, indem die TT den Finanzexperten Werner Doralt per Schlagzeile zitiert: "Der Sportler-Erlass ist eine Sauerei." Der vierfache Hahnenkammsieger Karl Schranz bestätigt, dass er 1972 beim damaligen Finanzminister Hannes Androsch in Wien mit dem Argument, von Ski-Erfolgen würde der ganze Tourismus profitieren, Steuererleichterungen erreichte. "Von denen ich selbst aber nimmer profitiert hab."Bis heute zahlen Spitzensportler laut Doralt "de facto nur 17 Prozent Steuern."150 Zeilen widmet die TT den Steuervorteilen der Sportler. In drei Zeilen wird lakonisch hinzugefügt, dass analog zum Sportler-Erlass die Pauschalregelung auch für Künstler gelte.Ein Sportler, der in beiden Kategorien fiel oder fällt, ohne den Anspruch zu erheben, seine Darbietungen als Kunst zu interpretieren, erlebt in Kitz, dass der Neid a Luder sein kann. Die sommerlichen Wanderungen auf den Hahnenkamm mit 7000 Fans wird Hans Hinterseer daher nie mehr unternehmen.

Das Verhältnis zum Kitzbüheler Skiclub ist, so Sänger Hansi, indes durch keine Misstöne getrübt. Nur sucht HH in der Rennwoche nicht das Scheinwerferlicht. Das Abfahrts-Training verfolgte Kitzbühels letzter Heimsieger vom Hausberg aus. Am 2. Februar startet er seinen Konzertmarathon mit 44 Auftritten in neun Ländern. Täglich wird er dafür mit seinem 43 köpfigen Team bis zu 300 Kilometer unterwegs sein. Konditionstraining legt er dazwischen ein, sei doch die Herausforderung ähnlich wie beim Skifahren. "Auf einem Bühnenbrett kannst genauso ausrutschen wie mit zwoa Brettln."

Erstellt am 19.01.2012