Meinung
18.05.2017

Recht auf Privatsphäre

Es verwundert kaum, dass sich viele kluge Köpfe den Job als Politiker einfach nicht mehr antun wollen.

Es verwundert kaum, dass sich viele kluge Köpfe den Job als Politiker nicht mehr antun wollen

Stefan Kaltenbrunner | über den Rücktritt von Eva Glawischnig

Eva Glawischnig hat heute ihren Rücktritt angekündigt, nach neun Jahren an der Parteispitze verlässt sie die Politik. Sie käme damit einer drohenden Wahlniederlage im Herbst zuvor, könnte man diesen überraschenden Schritt argumentieren. Glawischnig selbst nennt private Gründe. Es hätte gesundheitliche Alarmsignale gegeben, sie wolle keinen Schaden nehmen und trete auch aus Verantwortung gegenüber ihren Söhnen zurück. Dafür gebührt ihr Respekt.

Die grüne Frontfrau galt trotz vieler Wahlerfolge als eine der meistgehassten Politikerinnen im Land. Vor allem in den Sozialen Medien wurde nicht nur sie, sondern auch ihr Nachwuchs auf widerlichste Weise bedroht, wurde ihr nicht nur einmal die Vergewaltigung angedroht. Dass Politiker eine dicke Haut haben müssen, steht außer Streit, aber die Grenzen des Erträglichen werden immer öfter überschritten, das geht soweit, dass Spitzenrepräsentanten nur noch mit Leibwächter in der Öffentlichkeit auftreten können.

Es verwundert also kaum, dass sich viele kluge Köpfe den Job als Politiker einfach nicht mehr antun wollen, weil sie sich dem Druck der Öffentlichkeit und dem Hass aus dem Netz nicht aussetzen wollen. Das muss uns zu denken geben.