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12.07.2017

Unsere Lehrlinge sind zu gut für die Schule

Wer das Image der Lehrlingsausbildung verbessern will, muss bei den Eltern und Firmenchefs ansetzen.

Bizarr: Die Lehre ist ein Exportschlager, just in Österreich ist ihr Image schlecht

Hermann Sileitsch-Parzer | über die duale Ausbildung

Für junge Arbeitssuchende hat sich die Jobsituation innerhalb von nur einer Generation komplett gedreht. Wie sehr, das thematisierte kürzlich ein Top-Manager im Small Talk. In seiner Jugend habe die Regel gegolten: Wer ein Studium abgeschlossen hatte, für den war es gar keine Frage, ob er einen Job kriegen würde. Er konnte sich die Stelle aussuchen, weil ihm alle Türen offen standen. Und wer "nur" die Matura geschafft hatte, dem war jedenfalls ein stabiler Job am Bankschalter sicher. Man muss wohl niemandem erklären, dass das heute völlig anders aussieht.

Gymnasium und Studium = sicherer Job? Die Jungen wissen, dass es das nicht mehr spielt. In den Köpfen vieler Eltern, die für ihre Sprösslinge nur das Beste wollen, ist dieses Denken aber noch fest verankert. Deshalb sperren sich viele, wenn ihre Kinder "Karriere mit Lehre" machen wollen. Was zur bizarren Situation führt, dass Österreichs duales Ausbildungssystem den allerbesten Ruf genießt und als Exportschlager die Welt umrundet – während den Lehrlingen im Land selbst das Vorurteil anhaftet, die Schule nicht "derpackt" zu haben. Und das, obwohl Österreichs Lehrlinge mit ihrem Können Jahr für Jahr Welt- und Europameister-Titel bei den Handwerksbewerben einfahren. Und obwohl gute Fachkräfte im Land hängeringend gesucht werden.

Aufgefordert sind aber auch die Firmenchefs: Viele hört man klagen, mit den Schulabgängern sei wenig anzufangen, weil es diesen an Basisqualifikationen mangle. Nur: Was tun sie eigentlich selbst, um ambitionierte Jugendliche mit attraktiven Karrierechancen zu ködern? Zum besseren Image der Lehre müssen auch die Unternehmen beitragen. Nur jammern ist zu wenig.