Die Zahlen-Deuter

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Man darf gespannt sein, ob die Experten für die Verschlechterung auch das Wetter verantwortlich machen werden.

Dr. Horst Bauer | über Statistiken und ihre Interpretation

Das neue Jahr beginnt üblicherweise mit Rückblicken auf das alte. Jetzt ist die große Zeit der Statistiken und ihrer unterschiedlichen Interpreten.

Dass aus einer Zahlen-Ansammlung die gegensätzlichsten Erkenntnisse gewonnen werden können, ist zwar nicht neu, selten ist dieses Phänomen jedoch in so konzentrierter Form zu beobachten wie jetzt.

So birgt etwa die vorläufige Verkehrsunfall-Bilanz für 2012 breiten Interpretations-Spielraum. Vom Jubel über die „geringste Zahl an Verkehrstoten seit Beginn der Aufzeichnungen “ ( ORF) bis zur harschen Kritik daran, dass „das Ziel, die tödlichen Verkehrsunfälle zu verringern, deutlich verfehlt worden“ sei (VCÖ). Dass beide Interpretationen weit überzogen sind, zeigt erst ein Blick auf die tatsächlichen Zahlen (522 statt 523 im Vorjahr), die auch zeigen, dass der Rückgang bei getöteten Pkw-Lenkern und -Passagieren (276 statt 282) leider durch die gestiegene Zahl an tödlich verunfallten Radfahrern (50 statt 42) kompensiert wird.

Aber auch die Deutung der positiven Feinstaubbilanz 2012 (nur an 18 statt im Jahr davor an 76 Messstellen wurden Grenzwert-Überschreitungen festgestellt) lässt interessante Rückschlüsse auf deren Interpreten zu. Als Hauptgrund dafür wird etwa von den um ihre Geschäftsgrundlage als Verkünder von Untergangsszenarien bangenden VCÖ-Experten die günstige Wetterlage geortet.

Man darf gespannt sein, ob die selben Experten für die nächste Verschlechterung auch das Wetter verantwortlich machen werden.

Erstellt am 03.01.2013