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26.01.2018

In den Wahnsinn doodeln

12 Individuen, ein Abend, unendlich viele Möglichkeiten

Marco Weise | über Doodle-Umfragen

Mit Freunden essen gehen. Was einfach klingt, kann zur komplexen Angelegenheit werden. Scheitern inbegriffen. Denn immerhin gilt es, eine fast unmögliche Gleichung zu lösen. Die Variablen: 12 Individuen, ein Abend, unendlich viele Möglichkeiten. Die Problemstellung: Einen Abendtermin finden, an dem alle Beteiligten noch nichts anderes vorhaben. Zusätzlich gilt es, ein Lokal zu wählen, das den unterschiedlichen Vorlieben und Ansprüchen (Vegetarier und Allergiker hier, Unverträglichkeit da) gerecht wird. Das, was man früher mit einem, maximal zwei Telefonanrufen klären konnte, braucht heutzutage eine Doodle-Abstimmung, eine Whatsapp-Gruppe und obendrein noch eine Google-Excel-Tabelle. Denn – so will es die Basisdemokratie – darf jeder noch über die bereits im Vorfeld für gut befundenen Restaurants abstimmen. Aber bevor es überhaupt dazu kommen kann, gibt es noch kleinere Nervenzusammenbrüche aufgrund von Absagen zu überstehen: „Nein, ich kann doch nicht an diesem Abend, sehe ich gerade.“ Gerade dann, als sich endlich alle auf diesen Termin einigen konnten. Zurück zum Start. Nach zwei Wochen Abstimmungsphase haben wir es aber geschafft. Wir gehen essen. Mahlzeit!