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12.03.2014

Eine verhängnisvolle Burgtheateraffäre

Die Ereignisse, die zu Hartmanns Entlassung führten, sind ein Schaden für die gesamte Kulturbranche.

Hier fand sich einst die österreichische Seele.

Georg Leyrer | über die Misere im Burgtheater

Die Burg", das muss man als gelernter Österreicher mit dem gewissen burgtheaterdeutschen Dröhnen in der Stimme sagen: Denn diese Bretter bedeuteten über Jahrhunderte hierzulande wirklich die Welt, hier suchte, hier fand sich einst die österreichische Seele.

Was für eine Kränkung also für diesen Ort des großen Anspruchs, der großen Geste im kleinen Land, dass der jetzige Finanz-Skandal im Vergleich mit den anderen, milliardenschweren Missständen in Österreich faktisch kaum der Rede wert scheint.

Ein paar Millionen versenkt, ein bisserl in der Bilanz getrickst, ein Direktor und seine Vizedirektorin entlassen. Muss uns das noch kümmern, angesichts der drohenden Milliardenschulden aus der Hypo?

Es muss, natürlich. Mehr denn je.

Einerseits, weil die Finanzaffäre als eines der unrühmlichsten Kapitel in die Geschichte des Burgtheaters eingehen wird. Die Aufklärung wird noch Jahre dauern, und dabei werden noch allerlei Skurrilitäten an den Tag kommen. Und eines stimmt nachdenklich: In jüngster Vergangenheit waren Direktoren-Entlassungen im Kulturbereich im Endeffekt teuer für den Steuerzahler; die vermeintlich guten Gründe für Amtsenthebungen hielten dem Arbeitsgericht nicht stand.

Und andererseits, weil gerade in Sparzeiten (man blicke nur über die Grenzen Österreichs hinaus, wie es anderswo der Kultur geht) Subventionen für die Kultur permanent am Prüfstand der öffentlichen Meinung stehen. Und jeder verschluderte Subventions-Euro gibt leider dem Stammtisch jene Argumente, die dann allzu gerne gegen die vermeintlichen "Staatskünstler" und ihre Kulturstätten vorgebracht werden.

Das ist der eigentliche, nachhaltige Schaden aus dieser Misere an der Burg, deren finanzielle Folgen wohl nebenher ausgebügelt werden: Man macht es jenen, die nicht verstehen wollen, warum Kultur gefördert werden soll, dadurch allzu leicht. Insofern ist es eine verhängnisvolle Burgtheateraffäre.

Neuer Wind

So ist es, neben rechtlicher Notwendigkeit, wohl auch Schadensbegrenzung, die der neue Kulturminister nun in überraschender Schärfe betreibt: Kaum im Amt, enthebt er eine der wichtigsten Figuren des österreichischen Kulturlebens des Amtes. Ein Burgtheater-Direktor, der wegen Misswirtschaft gefeuert wird: Das gab es noch nie. Eine derart vehemente Reaktion der Politik ist untypisch für die österreichischen Verhältnisse.

Wo wurde in Österreich schon sonst noch derart rasch und scharf durchgegriffen?

In der Kultur jedenfalls weht auch abseits der Burg-Affäre ein rauer neuer Wind. Vieles, was einst als undenkbar galt – eine Staatsoper, der das Geld auszugehen droht, etwa – ist Realität geworden. Es dürfte nicht zu viel verlangt sein, dass genau deswegen besonders sorgfältig mit öffentlichem Geld umgegangen wird.