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26.12.2012

Vorsatz für 2013: Positiv denken

Österreich ist reich, sicher, sozial. Mit durchdachter Zukunftsgestaltung kann uns nichts umbringen.

Jetzt bitte nur gute, beruhigende Nachrichten!

Dr. Martina Salomon | über Vorsätze für 2013

Fenstertage: Die Geschäfte sind voll, die Menschen genießen ihren Urlaub (der länger ist als anderswo). Jetzt bitte nur gute, beruhigende Nachrichten! Gott sei Dank gibt’s davon mehr, als die Schlagzeilen üblicherweise melden. Die beste: Noch nie haben wir so lange und so gesund gelebt. Entgegen aller Unkenrufe war 2012 kein schlechtes Wirtschaftsjahr. Auch heuer lief das Weihnachtsgeschäft super und die Restaurants sind voll. Kaum ein anderer Staat hat so hohe Sozialleistungen (dass sich das auch leistungshemmend auswirken kann, schreiben wir ein anderes Mal). Und wenn Theaterdirektoren Wien verlassen, dann jammern sie über ihr weitaus niedrigeres Budget am neuen Dienstort.

Österreich hat eine der niedrigsten Arbeitslosenraten der Welt und mit der Lehrlingsausbildung ein internationales Vorzeigemodell. Wir sind heuer zum drittreichsten Land der EU aufgerückt, und im nächsten Korruptions-Ranking werden wir dank neuer Gesetze auch wieder einen besseren Platz einnehmen. Diese Reihung zeigt ja weniger die Fakten als die öffentliche Debatte.

Versuchen wir also positiv zu denken: Die Politik zieht Schlüsse aus den Affären der Vergangenheit und gestaltet mit kühlem Kopf die Zukunft. Denn wir befinden uns an einer Zeitenwende: stabile politische Mehrheiten wird es bald genauso wenig geben wie lebenslang sichere Jobs, abgeschottete Märkte oder eine homogene Gesellschaft.

Das macht den Politikerjob verdammt hart. Deshalb sollten Innenpolitikredakteure gelegentlich wie Sportjournalisten schreiben: Applaus für gute Leistung, weniger pauschale Verteufelung und auch ein Scheitern einkalkulieren. Ein guter Vorsatz für 2013.