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08.11.2017

Vom Kammerstaat zur coolen NGO

Die Sozialpartner müssen vom beschaulichen Nationalstaat in die globale, digitale Arbeitswelt finden.

Würden die Sozialpartner heute gegründet, wären sie wahrscheinlich eine coole NGO

Dr. Daniela Kittner | über veränderte Kammern

Der Grundgedanke der Sozialpartnerschaft lautet: Arbeitgeber und Arbeitnehmer regeln ihre Angelegenheiten selbst – ohne staatlichen Eingriff. Diese Form der sozialpartnerschaftlichen Zusammenarbeit bewirkt zweierlei: Die Arbeitgeber befinden sich in der Fürsorgepflicht für die Arbeitnehmer; die Arbeitnehmer müssen ihre Ansprüche so bemessen, dass sie die Wirtschaft nicht überfordern. Konflikt und Ausgleich sind im Wesen der Sozialpartnerschaft angelegt.

Dieses Prinzip ist heute so sinnvoll wie in der Vergangenheit, nur die Praxis gilt es immer wieder zu aktualisieren. Und daran hapert’s merklich.

Österreich ist zwar 1995 schon der EU beigetreten, aber die Sozialpartner konservieren immer noch die Strukturen einer nationalstaatlichen Wirtschaft. Sie geben in ihren Institutionen und in der von ihnen verwalteten Sozialversicherung viel zu viel Geld für Funktionärsapparate aus. Ihre Lösungsfähigkeit nimmt ab, ihre Bremsmanöver werden mehr. Mit einem Wort: Der Kammerstaat kommt schwerfällig und wenig zukunftsorientiert daher.

Vielleicht hilft der eingeleitete Generationenwechsel, damit die Sozialpartner in die globalisierte und digitalisierte Arbeitswelt hineinfinden. Die Serviceleistungen für ihre Mitglieder sind ja grosso modo okay. Aber in Zukunft müssen die Sozialpartner auch mehr Thinktank sein und Ratgeber für die jeweilige Regierung. Nicht zuletzt müssen sie lernen, die Komplexität der Wirtschafts- und Arbeitswelt verständlich zu kommunizieren, sonst werden sie ihre Botschaften in der Welt der simplen Kurznachrichten nicht rüberbringen.

Würden die Sozialpartner heute gegründet, wären sie wahrscheinlich eine coole NGO. Dort müssen sie hinfinden, damit sie auch von der Generation Kurz in gebührendem Ausmaß geschätzt werden.