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01.12.2017

Viele Ärzte sind kein Garant für Gesundheit

Unser Gesundheitssystem ist zu teuer. Das weiß jeder, aber die große Reform wird wieder nicht kommen.

Unser Gesundheitssystem ist zu teuer. Das weiß jeder, aber die große Reform wird wieder nicht kommen.

Dr. Helmut Brandstätter | über unser Gesundheitssystem

Es mag ja sein, dass sich so manche Leser durch unsere heutige Schlagzeile verhöhnt fühlen, wenn sie gerade in einem Spital oder einer Ordination auf ärztliche Betreuung warten. Aber es ist einfach so: Kaum ein europäisches Land hat so viele Ärzte pro Kopf der Bevölkerung. Das hat viele Ursachen. Zu komplizierte Organisation, zu viele Behandlungen im Spital, schwer durchschaubare Finanzierung des Gesundheitssystems.

Und was hören wir aus den Verhandlungen zwischen ÖVP und FPÖ? Die Zusammenlegung der Sozialversicherungsträger soll kommen. Gewohnter Hinweis an den Boulevard, ohne den ja gar nichts mehr geht: Da werden Generaldirektoren und Dienstwagen eingespart. So wird unser Gesundheitssystem nicht finanzierbar werden, durch mehr Raucher übrigens auch nicht.

Auch wenn die Bundesländer sofort aufheulen, sollte doch ernsthaft über ein bundesweites Gesundheitssystem verhandelt werden. Mit zentral verwalteten Spitälern, klaren Zuständigkeiten und gut organisierten Schwerpunkten. Warum das in Österreich nicht geht? Weil dann nicht mehr die Landespolitiker Primarärzte und Spitalsleiter bestellen können, weil dann sofort die Vergleichbarkeit von Leistungen möglich wäre. Dazu kommt, dass wir weniger Spitalsbetten, aber mehr Ärztezentren brauchen würden.

Und bevor die Sozialpartner im Gesundheitssystem entmachtet werden, sollte die neue Regierung erklären, wie die Alternative aussieht und was staatliche Funktionäre besser können. Es muss halt jetzt vieles neu gemacht werden, aber wir wollen klare Pläne und ehrliche Rechnungen statt netter Überschriften.