Über die vielen Wege, Unsinn zu verbreiten
10/15/2016

Über die vielen Wege, Unsinn zu verbreiten

Nicht nur die Datenmonster Facebook und Co. transportieren Äußerungen aller Art. Immer schneller.

von Helmut Brandstätter

Nicht nur die Datenmonster Facebook und Co. transportieren Äußerungen aller Art. Immer schneller.

Dr. Helmut Brandstätter | Über die vielen Wege, Unsinn zu verbreiten

Im Zeitalter der sogenannten sozialen Medien kann ohnehin schon jeder den größten anzunehmenden Unsinn verbreiten und auf Reaktionen hoffen. Da will der ORF nicht zurückstehen und ließ kürzlich einen Kärntner zu Wort kommen, der an der Sinnhaftigkeit des Wahlrechts für Frauen zweifeln durfte. Für solche Sendungen sollen wir künftig noch höhere Gebühren zahlen. Danke. Nun sollte man meinen, dass Politiker mit ihren Aussagen vorsichtiger umgehen, weil sie ja ernst genommen werden wollen. Dem neuen Chef der Beamtengewerkschaft, Norbert Schnedl, ging es offenbar um schnelle Bekanntheit, als er eine Arbeitszeitverkürzung, vielleicht sogar die 3,5-Tage-Woche forderte, na klar, bei vollem Lohnausgleich. Nachsatz im KURIER: "Alle sollen von der Digitalisierung profitieren, nicht nur die Arbeitgeber." Ein bisschen Klassenkampf wird doch auch die digitale Welt vertragen.

Noch weiß niemand, wie sich die Industrie 4.0 mit dem Internet der Dinge auf die Arbeitsplätze auswirken wird. Vizekanzler Mitterlehner stellte in dieser Woche die These auf, das Internet werde kein Jobkiller sein. Aber hier sind wir im Bereich des Glaubens. Sicher ist, dass sich die Arbeitswelt völlig verändern wird, sicher ist auch, dass die Konkurrenz nicht im nächsten Dorf tätig ist, sondern irgendwo auf der Welt. Und deshalb ist ebenfalls sicher, dass unsere Arbeitnehmer, wohl auch unsere Beamten, immer besser ausgebildet sein müssen. Das müssen wir erreichen, ob dann der Wohlstand mit weniger Wochenstunden zu halten sein wird, darüber kann man nur spekulieren. Und spekulieren ist wohl nicht die Aufgabe eines Gewerkschafters.

Ernsthafte Debatten sind zu kompliziert

Viel schlimmer ist, was ein blauer Bezirksrat in einem Buch geschrieben hat, das Norbert Hofer herausgegeben hat: Da steht allerhand Unsinn über die Rolle der Frau, dann kommt ein voller Angriff auf die Menschenrechte von Kindern. Es wird nämlich Kinderarbeit am Land gerechtfertigt, da brauche es viele Hände und die Arbeit dürfe ja nichts kosten. Es ist ja ein Ärgernis, dass die langen Sommerferien noch immer aus der Zeit von Maria Theresia stammen, wo Kinder statt zum Unterricht auf die Felder mussten. Aber abgesehen von der Unmenschlichkeit hat sich die österreichische Landwirtschaft deshalb auf Weltniveau entwickelt, weil die Bauern ihre Kinder in gute Fachschulen geschickt haben.

Auf bescheidenem Niveau wird leider nach wie vor gegen Freihandel polemisiert. Die SPÖ hat nach Zugeständnissen der Kanadier nun den Weg für CETA frei gemacht. Gegen TTIP kann man auch Argumente finden, aber dass es die Grünen notwendig haben, wie der Boulevard mit dem "Chlorhuhn" zu drohen, zeigt, dass es um Emotionalisierung statt um ernsthafte Debatten geht. Facebook und die anderen sozialen Medien transportieren diese Emotionen gerne und werden mit den Daten reich. Eine – dringend notwendige – Debatte darüber ist der heimischen Politik leider zu kompliziert.

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