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16.01.2018

Staatsbürgerschaft in einem neuen Europa

Juristisch ist das ein weiter Weg. Aber das Gefühl, zu Europa zu gehören, kann ja vielfach gefördert werden.

Aber das Gefühl, zu Europa zu gehören, kann ja vielfach gefördert werden.

Dr. Helmut Brandstätter | über eine europäische Staatsbürgerschaft

Der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher ist ein schlauer Politiker. Die Diskussion über eine österreichische Staatsbürgerschaft für alle Südtiroler drehte er im KURIER-Gespräch weiter: Er sprach sich für eine europäische Staatsbürgerschaft aus. Kompatscher ist auch klug und spürt die historische Verantwortung. Die Einwohner Südtirols wurden nach 1939 von zwei Diktaturen gezwungen, sich für Deutschland oder für Italien zu entscheiden, die sogenannte Option. Sie haben dieses Unglück ebenso wenig vergessen, wie sie ihre einmalige und auch für andere Regionen vorbildliche Autonomie schätzen und genießen. Das Zusammenleben zwischen den verschiedenen Volksgruppen funktioniert bestens, eine weitere nationale (österreichische) Staatsbürgerschaft würde wieder Unfrieden südlich des Brenners hervorrufen. Das wissen auch die Zündler, deshalb tun sie genau das.

Auf unserem Pass steht "Europäische Union", eine Unionsbürgerschaft in der EU gibt es bereits. Die damit ver-bundenen Rechte sind umfangreich, von der Freizügigkeit bis zur Unterstützung durch EU-Diplomaten überall auf der Welt. Eine europäische Staatsbürgerschaft hätte den Reiz, dass sie eben nicht auf Nationalität oder völkische Zugehörigkeit beruht, sondern auf der gemeinsamen Heimat Europa mit unserer durchaus schwierigen Geschichte, den EU-Verträgen und den garantierten Menschenrechten. Zusammenführen statt Spaltung, das wäre doch was.

Eine Idee – noch ohne eine EU-Staatsbürgerschaft einzuführen – könnte das Recht jedes Jugendlichen sein, sechs Monate in einem anderen Land zu leben, wie das Präsident Macron vorgeschlagen hat: Ein Europa aller jungen Bürger.

>>> Europäischer Pass - vorerst nur Zukunftsmusik