über Nöte des neuen SPÖ-Chefs
05/10/2016

Scherbenhaufen & Personalnot

Der neue SPÖ-Chef muss die Partei von Grund auf reformieren, dafür brauchte es geeignetes Personal. Das ist aber Mangelware.

von Stefan Kaltenbrunner

Einigen wir uns darauf, dass Faymann nicht als Lichtgestalt in die heimische Politik eingehen wird.

Stefan Kaltenbrunner | über Nöte des neuen SPÖ-Chefs

Werner Faymann ist Geschichte. Sein Erbe: Eine desolate und gespaltene SPÖ und eine zutiefst verunsicherte Gesellschaft. Es wäre billig, Faymann dafür die alleinige Schuld zuzuschreiben, seine Rolle als Brandbeschleuniger lässt sich nicht bestreiten. Egal: Einigen wir uns darauf, dass Faymann eher nicht als Lichtgestalt in die heimische Innenpolitik eingehen wird. Für seinen Nachfolger, das Match wird wahrscheinlich zwischen Christian Kern und Gerhard Zeiler entschieden, gilt es, einen gewaltigen Scherbenhaufen aufzuräumen. Dass die beiden Kandidaten von Außen kommen, sollte dabei eher ein Vorteil sein. Zeiler und Kern weisen unbestritten Managerqualitäten auf, haben also das Zeug, die Partei von Grunde auf neu zu reformieren und zu modernisieren. Rücksicht auf parteiinterne Befindlichkeiten sollten sie eher ausklammern, jeglicher Kompromiss würde von Anfang an als Zeichen der Schwäche gewertet.

In den Vorgesprächen werden sie sich wohl die absolute Personalhoheit ausverhandeln. Da fangen freilich die Probleme an. Einerseits melden die ersten Organisationen und Bundesländer, wie etwa die Gewerkschaft in ihrer üblichen Erbpachtmanier mit dem Sozialminister, schon jetzt ihre Ansprüche an. Andererseits wird es schwer werden, innerhalb der Partei selbst geeignetes Personal für die Neubesetzung von Ministerämtern oder das Generalsekretariat zu finden. Die Partei ist personell ausgedünnt, qualifiziertes Personal Mangelware, Nachwuchstalente nicht vorhanden.

Daran könnte es scheitern. Zeiler und Kern werden hier rasch an ihre Grenzen stoßen, außer sie holen sich unabhängige Experten von Außen in ihr Team. Dass sich die SPÖ-Granden darauf einlassen werden, ist schwer vorstellbar. Machen Zeiler und Kern deswegen den Job nicht, wäre die Konsequenz ein Kompromisskandidat, besser gesagt: Ein Nachlassverwalter, der es allen Recht machen versucht. Damit wäre zwar kurzfristig in der Partei Friede eingekehrt, mittelfristig die SPÖ aber eher verloren.

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