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18.01.2018

Pink und Pilz können es, Rot muss noch üben

Kern will offenbar auch die Opposition als One-Man-Show anlegen. Damit ist er schon als Kanzler gescheitert.

Pink und Pilz können Opposition, Rot muss noch üben

Josef Votzi | über Christian Kerns neue Rolle

Matthias Strolz gab jüngst dem Falter ein pointenreiches Interview. Auffällig war zweierlei: Seine zugleich differenzierte und scharfe Kritik an Kanzler Kurz – und ein Kompliment für den schärfsten Konkurrenten: "Die Grünen fehlen mir bitterlich." Der Neos-Chef kann Opposition und ist hier auch an breiter Zusammenarbeit interessiert. Die größte Oppositionspartei machte jüngst mit einem Rundumschlag gegen die kleinste von sich reden: Christian Kern geißelt die Comeback-Gelüste von Peter Pilz. Offenbar will Kern auch die Opposition als One-man-Show anlegen. Damit stieß er schon als Regierungschef an seine Grenzen.

Fragwürdig ist auch sein Geschick bei der Kür eines neuen SPÖ-Managers. Max Lercher packte gleich zum Start den Holzhammer aus. Seine Alarmruf, dass demnächst 150.000 Arbeitskräfte aus der Ukraine, Türkei und Russland den Österreichern die raren Jobs wegnehmen werden, sorgte in der SPÖ ob des tiefblauen Tons für Protest und unter Experten ob der total übertriebenen falschen Zahlen für Kopfschütteln.

Ernst zu nehmender ist die Frage, die Ex-AK-Direktor Werner Muhm ins Spiel bringt. Im Sommer läuft die fünfjährige Wartefrist für Menschen aus dem neuen EU-Land Kroatien aus, die in Österreich arbeiten wollen. SPÖ und Gewerkschaft standen hier seit Beginn der EU-Osterweiterung auf der Bremse. Spannend bleibt, wie die selbsternannte Arbeiterpartei FPÖ und die Wirtschafts- & EU-Partei ÖVP auf diese neue Herausforderung reagieren werden. Denn im Fall von Kroatien geht es – aufgrund der räumlichen und oft auch familiären Nähe – nicht um künstlichen Alarmismus, sondern um eine lebensnahe knifflige EU-politische Frage.