Österreich ist sicher Gender-Weltmeister

Die Unis überbieten einander in Frauenforschungs-Schwerpunkten. Gäbe es nicht langsam Lohnenderes?

Die Unis überbieten einander in Frauenforschungs-Schwerpunkten. Gäbe es nicht langsam Lohnenderes?

Dr. Martina Salomon | über Genderforschung

Leider gibt’s keinen Nobelpreis für Genderforschung. Österreich wäre sicher unter den Top-Kandidaten. Kein Thema wird mit größerer Emsigkeit beforscht. Am 12. März vor 650 Jahren wurde die Uni Wien gegründet. Sie feiert ihr Jubiläum – erraten – mit einem Schwerpunkt zur Geschlechtergerechtigkeit. Samt Text von Elfriede Jelinek. Das freut immerhin die dortige Hochschülerschaft, deren "Gender"-Balken im Auge leider die Sicht auf alle anderen Studententhemen nimmt. Haben wir sonst noch Sorgen? Zum Beispiel Wirtschaftskrise, Religionskriege? Internationale Brandherde wie Naher Osten, Ukraine-Krise? Migrationsströme (samt wirklicher Diskriminierungsprobleme in einer multikulturellen Gesellschaft)? Das mögliche Ende des Wachstums?

Aber nein, bei uns wird auf Teufel komm raus gegendert. Auch die neue Rektorin der Wirtschaftsuni Wien (die zu Amtsantritt durchaus vernünftige Interviews gab) ist – eh klar: Gender-Expertin. Und an der Wiener Medizinuni gilt ebenfalls eine Gender-Fachfrau als mögliche Rektors-Nachfolgerin.

Vor mehr als 100 Jahren war die "Wiener Schule" im medizinischen Bereich weltweit führend und der "Wiener Kreis" in Philosophie eine Weltmarke. Die "Austrian School of Economics" ist bis heute in den USA Trademark. Und heute? Eine größere Vision der Hochschulpolitik fehlt. Diese müsste von der Politik, aber natürlich auch aus den Universitäten heraus entwickelt werden. In einem der Beiträge zum bevorstehenden Jubiläum heißt es: "Die Universität Wien spielt auch weiterhin eine wichtige Rolle als Impulsgeber für gesellschafts- und wirtschaftspolitische Debatten." Na hoffentlich auch außerhalb der inflationären Gender-Schwerpunkte!

Erstellt am 25.02.2015