über die Steuerreform
03/15/2015

Österreich, ein wenig amerikanisiert. Das wär’s

Unser Land ist noch immer besonders lebenswert. Aber der Wohlstand ist leider nicht mehr garantiert.

von Helmut Brandstätter

Unser Land ist noch immer besonders lebenswert. Aber der Wohlstand ist leider nicht mehr garantiert.

Dr. Helmut Brandstätter | über die Steuerreform

Nach der Steuersenkung ist vor der Steuerreform. Da bringen sich Lobbyisten aller Art schon in Stellung für vielleicht drohende oder erhoffte Reformen, je nach Standpunkt. Einen "Angriff auf den Wirtschaftsstandort Österreich" befürchten die einen, "mehr Gerechtigkeit" verlangen die anderen. Dahinter steht eine ernsthafte gesellschaftspolitische Debatte, vor der sich SPÖ und ÖVP bisher erfolgreich drücken. Diese Debatte verlangt eine klare Antwort auf eine einfache Frage: "Wie wollen wir den breiten Wohlstand in unserem Land erhalten?"

Wer sich fürchten will, muss nur die internationalen Bewertungen ansehen, die Österreich ein veraltetes Bildungssystem, immer schlechtere Unis, eine ausgeprägte Lust an der Frühpension und abnehmende Wettbewerbsfähigkeit attestieren. Nur die Stadt Wien wird regelmäßig gelobt, weil man da gemütlich und sicher leben kann. Österreich als beliebtes Freiluftmuseum, das ist ja nett, wird für ein wachsendes Bruttosozialprodukt aber nicht reichen.

Also, wie wollen wir leben in Österreich? Als Fremdenführer mit Skilehrer-Schmäh, als Produktionsstandort für international gefragte Produkte oder gar als Zentrum für digitale Innovationen? Wenn wir den Wohlstand halten wollen, werden wir alles können müssen: Tourismus, Industrie und Forschung, jeweils vom Feinsten. Bis hierher wird niemand widersprechen. Aber der Weg zu diesem Idealzustand wird mühsam – und sicher umstritten.

Die USA sind nicht in allem ein Vorbild, aber es ist schon interessant, dass im Land des Super-Kapitalismus Erbschaftssteuern eine Selbstverständlichkeit sind und Milliardäre wie Michael Bloomberg versprochen haben, die Hälfte ihres Vermögens zu spenden. "Wenn wir die Zustände auf der Erde verbessern, tun wir mehr für unsere Kinder, als wenn wir ihnen Geld schenken", so Bloombergs Credo. Reiche Österreicher hingegen drohen mit dem Abwandern, nur weil sie höhere Steuern fürchten. Aber wo wollen sie ihr Geld unbeschwerter ausgeben, als in der sicheren Alpenrepublik?

Angst lähmt und verstellt unsere Zukunft

Amerikas Wohlstand hat aber noch ganz andere Ursachen: die besten Unis der Welt, ein Wirtschaftsklima, das zum Investieren reizt, eine Kultur des Scheiterns, die bei uns undenkbar ist. Und wer Erfolg hat, wird bewundert, nicht beneidet. Auch nicht schlecht. Wenn wir uns von all dem nur ein bisschen etwas abkupfern würden.

Über allem aber steht, dass die Stimmung im Land ängstlich ist und Veränderungen scheut. Bei manchem Jungunternehmer ist der Spirit des Silicon Valley zu spüren, bei den Vertretern von Wirtschaft und Industrie aber nicht. Und Arbeitnehmer fürchten Zuwanderung, obwohl unsere alternde Gesellschaft davon profitiert. In den KURIER-Lernhäusern verbringen Kinder den Nachmittag, deren Eltern nicht darauf achten können, dass sie ihre Hausaufgaben gut erledigen. In den Augen dieser Kinder kann jeder sehen, dass sie lernen und in ihrer neuen Heimat etwas erreichen wollen. Wenn sich unsere Gesellschaft um alle Jungen so kümmern würde, müssten wir weniger Angst vor der Zukunft haben.

Wir brauchen weit mehr als eine Steuerreform: eine offene Debatte über unsere Zukunft.

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