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30.01.2018

Null Toleranz für Braun

HC Strache hat beim Burschenschafter-Ball couragiert klare Worte gefunden. Jetzt müssen Taten folgen.

Strache hat beim Burschenschafter-Ball klare Worte gefunden. Jetzt müssen Taten folgen.

Josef Votzi | überdie FPÖ und das Nazi-Liederbuch

Der Cartoon von Manfred Deix über die FPÖ ist legendär. Bild 1: FPÖ-Chef Norbert Steger ruft vor einer großen Menge an blauen Funktionären: "Nazis raus der FPÖ." Bild 2: Norbert Steger blickt entgeistert ins Leere. Das Gros der Blauen hatte sich verflüchtigt. Anlass des genialen Deix: Als Steger Mitte der 80er Jahre mit Braun bei den Blauen aufräumen wollte, war er bald Geschichte. Gestürzt von Jörg Haider.

Freitag Abend hielt Heinz-Christian Strache bei der Eröffnung des Burschenschafter-Balls ein "flammendes Plädoyer gegen Antisemitismus, Rassismus und totalitäres Denken", berichtete auch die FPÖ-kritische Süddeutsche Zeitung (SZ) mit Respekt. Als er in den Saal rief "Wem das nicht passt, der kann aufstehen und gehen", erging es ihm nicht wie Steger frei nach Deix. "Aber der Beifall wirkte eher betroffen als begeistert", rapportierte die SZ.

Strache hat ein couragiertes Signal gesetzt, dem nun aber auch Taten folgen müssen. Der FPÖ-Mann muss sich jetzt nicht nur im Fall Landbauer durchsetzen: Wer auch nur in die Nähe von Ewiggestrigen kommt, hat in einer Regierungspartei nichts verloren. Das gilt auch für die aggressive Wehleidigkeit à la Harald Vilimsky oder Landbauer himself. Nach der begrüßenswert klaren Rücktrittsforderung des Bundespräsidenten an den Blauen, der vom braunen Liederbuch nichts gewusst haben will, meldet sich nun auch NÖ-Alt-Landeshauptmann Erwin Pröll via den KURIER-Sender Schau-TV zu Wort. Pröll plädiert dafür, die Chance zu nutzen, mit allen braunen Überresten aufzuräumen: "Die FPÖ hat jetzt ein Mondfenster, die Schatten der Vergangenheit loszuwerden." Und: "Da ist die ganze Regierung in der Pflicht." Der schwarze Elder Statesman weiß: Wenn nicht, dann ist Türkis-Blau bald Geschichte. Strache & Kurz müssen konsequent eine rote Linie abseits des Strafrechts ziehen. Denn die Landbauers von gestern, heute und morgen sitzen noch mitten unter uns.