Neuer Chef, altes Spiel

Bei der Katzian-Kür stand allein der Machtausgleich Pate. Kein gutes Omen für den überfälligen Neustart im ÖGB.

Bei Katzians Kür stand der Machtausgleich Pate. Kein gutes Omen für den überfälligen Neustart im ÖGB.

Josef Votzi | über den neuen ÖGB-Chef Wolfgang Katzian

Im zersplitterten Machtgefüge des ÖGB ist die Welt endlich wieder in Ordnung: Neuer ÖGB-Boss ist ein Angestelltengewerkschafter, und die Metallarbeiter stellen den SP-Fraktionschef sowie die AK-Chefin. Vorgänger Rudolf Kaske, von der kleinen Vida zum AK-Capo aufgestiegen, war ein "Betriebsunfall". Genauso wie der Gemeindebedienstete Rudolf Hundstorfer als ÖGB-Chef: Beide gekürt, als die wahren ÖGB-Mächtigen – wegen des Bawag-Skandals intern angezählt – eine Schwächephase hatten.

Was aber hat der große Rest des Landes vom ÖGB-Personalkarussell zu erwarten? Auf den ersten Blick bringt der interne Machtabgleich more of the same: Katzian trug die Gewerkschaftspolitik der letzten Jahre prägend mit.

Mit dem Gang der SPÖ in die Opposition stellen sich aber auch für die roten Gewerkschafter viele Fragen neu: Stellt auch der ÖGB den Kurs auf Totalopposition, oder setzt er weiter auf den Mix von Kooperation & Konfrontation. Die erste launige Wortmeldung Katzians ("Ich gehe nicht zuerst auf die Barrikaden, sondern zum Heurigen") soll signalisieren: Der Ball liegt bei Kurz/Strache. Reizen sie Katzian & Co, ist es bald vorbei mit der Gemütlichkeit.

Noch drängender, weil ewig ungelöst, sind interne Fragen: Der ÖGB ist nach wie vor zersplittert. Die nur Insidern geläufige, ständig neue Namensgebung (pro-ge, youunion, Vida) schafft die Revierkämpfe zwischen den vielen Teilgewerkschaften nicht aus der Welt. Die geplante Aufhebung der anachronistischen Trennung in Arbeiter und Angestellte ist so nicht primär an der Wirtschaft gescheitert, sondern weil Teilgewerkschafts-Kaiser um ihr Reich fürchteten.

Ob ausgerechnet mit Wolfgang Katzian einer, dem primär der interne Machtausgleich jetzt an die Spitze des ÖGB verholfen hat, hier etwas radikal verändern kann und will, wird sich bald zeigen.

( kurier.at ) Erstellt am 06.02.2018