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25.04.2017

Messias gesucht? Es gibt keine Erlösung

Wähler suchen starke Persönlichkeiten, die schnell die aktuellen Probleme lösen. Das geht aber nicht.

Wähler suchen starke Persönlichkeiten, die schnell die aktuellen Probleme lösen. Das geht aber nicht.

Dr. Helmut Brandstätter | über die Frankreich-Wahl

Das Phänomen ist nicht neu: Unbekannte, politisch nicht profilierte Personen gewinnen Wahlen. Das hat der Diplomat Thomas Klestil schon im Jahr 1992, vor der Ära von Internet und Social Media geschafft, das ist zuletzt in Österreich der Richterin Irmgard Griss gelungen. Emmanuel Macron war nur kurz Minister, wie er Frankreich regieren will, ist nur in Ansätzen erkennbar. Deutlich war nur sein Ja zu Europa, aber sonst? Der Arbeitsmarkt soll liberalisiert werden, aber nicht zu sehr, der Haushalt saniert, aber nicht zu heftig. Dennoch steht Macron für Hoffnung. Während Marine Le Pen gerne in die vollen Säle brüllte, sie lasse sich von Frau Merkel nichts anschaffen, steht Macron für die Aussicht, dass Frankreich ein friedliches Mitglied der europäischen Staatengemeinschaft bleibt.

In vielen Ländern Europas geben die klassischen Parteien keine Hoffnung mehr, die rechtspopulistischen auch nicht. Allesamt haben sie keine Ideen, wie die aktuellen und die noch viel größeren künftigen Verwerfungen durch die Digitalisierung bewältigt werden können.

Also werden Persönlichkeiten gesucht, denen man das zutrauen kann. Freilich: Die oft starren Strukturen der Staaten werden von starken Lobbys verteidigt, die etwas zu verlieren haben. Da laufen sich Personen ohne Machtapparat schnell die Köpfe wund. Das kennen wir doch auch aus Österreich. Sebastian Kurz versucht, sich durch Unterstützung neben der ÖVP zu profilieren, gegen die ÖVP wäre (noch) zu schwierig. Christian Kern setzt noch auf die Erneuerung seiner SPÖ. Vielleicht kommt noch ein Dritter. Aber: Die Probleme sind zu komplex, um von einem "Messias" gelöst zu werden. Glaube und Erlösung sind keine irdischen Kategorien.