Lunacek kann nur noch mit Anstand scheitern

Peter Pilz ist nur das kleinste Problem der Grünen. Die verwelkte Partei braucht einen radikalen Neustart.

Heinz-Christian Strache ist kein Jausengegner. Der FPÖ-Chef präsentierte sich Montagabend beim Auftakt der TV-Duelle in Hochform. Im Gespräch mit Neos-Chef Matthias Strolz auffallend verbindlich, im Duell mit Grünen-Chefin Ulrike Lunacek schaltete er bei Bedarf auf Angriffsmodus – ohne wie früher bedrohlich aggressiv zu wirken. Da konnte Lunacek noch so oft streng "Aber, Herr Strache..." einmahnen.

Sie blieb in diesem Duell argumentativ und rhetorisch Zweite. Die Sachpolitikerin und renommierte Vizepräsidentin des EU-Parlaments fasste die schlechteste Karte in diesem Wahlkampf aus. Sie musste über Nacht als Chefin einer Partei einspringen, die inhaltlich und personell nur noch vor sich hinwelkte. Aus Sicht der Wähler gibt es nach dem Abgang von Peter Pilz eine zweite grüne Partei zur Auswahl – angeführt von einer der letzten Trumpfkarten der Avantgardepartei a. D.

Die Lunacek-Grünen sitzen bei dieser Wahl zwischen allen Stühlen. Sie regieren zwar in sechs (!) von neun Bundesländern mit. Außer in Wien aber derart unauffällig, dass sie davon bundesweit null profitieren. Als möglicher Regierungspartner im Bund fallen sie diesmal von Anfang an mangels Masse durch. Bei taktischen Wählern sind sie deshalb automatisch im Nachteil. Das ängstliche Stillhalten während des Marathon-Wahlkampfs für die Hofburg hat sehr viel Substanz gekostet, ohne kurzfristig etwas zu bringen. Grüne Protestwähler könnten sich so beim kantigen Querkopf Pilz besser aufgehoben fühlen. Ulrike Lunacek hat nur noch eine Chance: Die Grünen trotz widriger Prognosen mit Anstand über die Vier-Prozent-Hürde zu bringen – und danach den Job an jemanden zu übergeben, der den morschen Bio-Laden radikal neu aufstellt.

(kurier) Erstellt am
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