Meinung | Kommentare | Innenpolitik
22.03.2017

Loslassen, eine Kunst, die man lernen muss

Ob Politik oder Management, oft scheint es leichter, eine Position zu erringen, als sie wieder aufzugeben.

Ob Politik oder Management, oft scheint es leichter, eine Position zu erringen, als sie wieder aufzugeben.

Dr. Helmut Brandstätter | über Bürgermeister Michael Häupl

Manchmal kann man beobachten, wie ein Politiker im besten Mannesalter unaufgeregt Amt und Macht abgibt. Franz Vranitzky etwa, der mit 60 Jahren als Bundeskanzler zurücktrat. Und es gibt Manager, die den Vorsitz im Aufsichtsrat schlicht und schnörkellos an ihren Nachfolger weitergeben. Aber viele klammern sich an das Ansehen und das entsprechende Zubehör und zerstören dadurch zumindest einen Teil ihres Lebenswerks. Damit sind wir noch nicht bei Michael Häupl, vielmehr bei Ferdinand Piëch. Er hat den Volkswagenkonzern durch technisches Wissen und kluge Zukäufe geformt. Jetzt passt dem knapp 80-Jährigen der Kurs der Wolfsburger nicht mehr und er will seine Anteile an Porsche und VW verkaufen. Mit allem Wirbel, der bei einer Milliardentransaktion in einer bekannten Familie dazugehört.

Jetzt sind wir bei der Wiener SPÖ-Familie. Die hat ja lange gut funktioniert, durch Eheschließungen, Machtausgleich und Erfolg bei den Wählern. Gestritten wurde "im Wohnzimmer, nicht am Balkon", was SPÖ-Chef Häupl gerne betonte, solange das auch stimmte. Aber die Angst vor dem Machtverlust treibt die Familie in die Öffentlichkeit, mit einem "dann 71-Jährigen werden wir im Jahr 2020 keine Wahlen mehr gewinnen", ertönt es per Twitter-Megafon. Das Alter kann es nicht sein, wie wir aus Amerika wissen, eher die Angst, dass der Wiener SPÖ die Macht entschwindet und sie dabei ideenarm und konturenlos wirkt. Da schauen dann alle auf den Anführer und der hat schon lange kein Signal gegeben, wie eine moderne Sozialdemokratie aussehen könnte.

In Parteischulen wird gelehrt, wie man die Macht erobert. Loslassen lernen, das wäre ebenso wichtig.