Lieber ORF, wie wäre es mit "Tutti Frutti"?

Der Verdacht bestätigt sich. ORF III wurde auch gegründet, um Qualitätsprogramme abzuschieben.

Die gute Nachricht: Im ORF gibt es noch Journalisten, die spannende Dokumentationen produzieren. Im Vierteiler „Wie wir wurden, was wir sind: Generation Österreich“ kommen bekannte Landsleute von Christa Ludwig bis Karl Schranz zu Wort. Sie erzählen ihre persönlichen Erlebnisse, aber auch ein wichtiges Stück Geschichte der letzten 50 Jahre. Gerade jüngere Leute, denen man erklären muss, wer etwa Bruno Kreisky war, lernen hier, ohne belehrt zu werden. Öffentlich-rechtliches Fernsehen vom Feinsten.

Die schlechte Nachricht: Die Doku haben nur wenige gesehen, weil sie auf dem nur theoretisch weitverbreiteten Sender ORF III lief. Den haben viele Österreicher nicht auf ihrem TV-Radar (Marktanteil: 0,9 %).

Bei jeder Gelegenheit beklagen ORF-Granden, dass sie zu wenig Geld haben und deshalb billige Serien aus dem Ausland ankaufen oder deutsches Privat-TV imitieren müssen. Eigenproduzierte Qualität wird versteckt.

Auf ORFeins werden die Zuseher dafür demnächst wieder mit einem neuem Produkt aus der RTL-Küche, die das wiederum von den Briten abgekupfert hat, belästigt. Bei „Undercover Boss“ werden sich Topmanager mit den „rührenden Schicksalen ihrer Mitarbeiter beschäftigen“, noch dazu unerkannt, Wahnsinn!(siehe Seite 22).

Reality-Schwachsinn gibt es im Hauptabend, dafür wird eine neue History-Leiste in die Nacht verbannt. Die Medienbehörde hat schon im Oktober festgestellt, dass der ORF zuletzt keine zwei Vollprogramme betrieb, weil Information und Kultur nicht ausreichend vorkommen.

Da es offenbar nur um die Quote geht, ein Tipp: RTL wurde mit der Show „Tutti Frutti“ groß, da haben sich Frauen aus nicht ganz erklärlichen Gründen ausgezogen. Moderator Hugo Egon Balder wäre gerade frei.

(KURIER) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?