über Donald Trump
09/26/2016

Am Rächer Trump gleiten Skandale ab

Die erste große TV-Debatte birgt für Clinton vielgrößere Gefahren als für den unlauteren Milliardär.

von Konrad Kramar

Ein Robin Hood hält sich nicht an Spielregeln.

Mag. Konrad Kramar | über Donald Trump

Zwielichtige Geschäftsverbindungen bis nach Russland, eine angeblich karitative Stiftung, aus deren Kassen ständig Spendengelder in irgendwelche Richtungen abgezweigt wurden, Steuererklärungen mit riesigen Lücken, Arbeiter ohne reguläre Beschäftigung: Es vergeht kein Tag, an dem in den USA nicht ein neuer Skandal rund um Donald Trump und sein Firmenimperium aufpoppt. Das Erstaunliche aber ist, dass all diese oft wirklich schmutzigen Affären dem New Yorker Milliardär in den Umfragen nicht zu schaden scheinen. Ein einziges Mal kam Trump in diesem Wahlkampf wirklich in die Bredouille, als er sich mit den Eltern eines im Irak gefallenen Soldaten anlegte.

Im Gegensatz dazu wird jede Verfehlung Clintons umgehend zur politischen Tragödie. Jede Geschäftsbeziehung der Clinton-Stiftung – auch wenn kein Dollar auf unsaubere Weise in deren Taschen wanderte – wird sofort zum Beleg für das Netzwerk von Hillary und Ehemann Bill, das zu nichts anderem dienen würde, als ihre politische Macht auf schäbige Weise zu missbrauchen.

Ein Robin Hood hält sich nicht an Spielregeln

Was Trump so schwer angreifbar macht, ist seine für alle Rechtspopulisten typische Rolle des Rächers der Enterbten, also der kleinen Leute. Diese Menschen, es sind meist vom sozialen Abstieg bedrohte Arbeiter, sind vom politischen System und seinen Vertretern grundlegend enttäuscht. Die da oben gelten nicht nur als unfähig, sondern auch als gierig, egoistisch und korrupt. Von der Politik und ihren vermeintlichen Handlangern, den Medien ("Lügenpresse") erwartet man sich daher ohnehin nichts. Trump macht sich zum Sprachrohr all dieser negativen Gefühle. Er ist der Mann, der dieser verachteten Elite stellvertretend für jene, die das gerne selbst tun würden, kräftig in die Weichteile tritt. Dass er dabei ständig Tabus verletzt, also demonstrativ politisch unkorrekt handelt, ist Grundbestandteil dieses Spiels. Es verstärkt den Eindruck, dass sich der Rächer nicht an die Spielregeln der da oben hält und trägt nur zu seinem Robin-Hood-Nimbus bei. Dass ein solcher Held der kleinen Leute nicht immer sauber kämpft, nimmt man ihm nicht übel. So konnte auch ein Jörg Haider über Jahre völlig unbeschadet zwielichtige Geschäfte auf Kosten Kärntens anbahnen und ein Silvio Berlusconi lebte seine Vorliebe für leichte Mädchen und teure Partys mit politischen Verbündeten in aller Öffentlichkeit aus.

Wenn also Hillary Clinton sich an diesem Montag zum ersten Mal Trump in einem TV-Duell stellt, hat die Demokratin sicher eine Mappe voll mit Skandalen und Affären des Milliardärs dabei. Es wird ihr schwerfallen, Trump damit wirklich zu treffen. Rechtspopulisten wie er haben eigentlich nur eine Achillesferse, und das ist der Patriotismus ihrer Anhänger. Fast verzweifelt klammern sich die an ihre Nation, die man endlich wieder groß machen müsse. Nur wer Trump nachweisen kann, das ihm die eigene Geldbörse immer wichtiger war als jegliche Nationalgefühle, kann ihm wirklich schaden.

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