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18.03.2018

Künstliche Intelligenz als neue Weltsprache

Ob Roboter englisch oder chinesisch sprechen, wir müssen alles tun, dass das Leben menschlich bleibt.

In Europa führen wir ethische Debatten. Wir müssen aber auch in Forschung und Umsetzung ganz vorne dabei sein.

Dr. Helmut Brandstätter | über Künstliche Intelligenz

Wo steht der schnellste Supercomputer der Welt? Irgendwo zwischen Harvard und dem Silicon Valley, möchte man vermuten. Nein, er rechnet in der für chinesische Verhältnisse kleinen Stadt Wuxi, westlich von Schanghai . 202 der 500 stärksten Computer der Welt stehen in China, in den USA sind es nur mehr 143. Vor kurzem war das Verhältnis noch umgekehrt.

Während Präsident Trump mit einem Wirtschaftskrieg spielt, haben intelligente Medien auf Entwicklungen aufmerksam gemacht, die uns auch betreffen, und die mit Diplomatie nicht aus der Welt zu schaffen wären. Der britische Economist schreibt vom "Kampf um die digitale Vorherrschaft" und zeigt zwei Roboter, die eine US-amerikanische und eine chinesische Flagge auf einen Chip bohren. Die Financial Times beschäftigt sich damit, wie China die Dominanz der USA im Bereich der Künstlichen Intelligenz herausfordert, das Wall Street Journal berichtet , dass der chinesische Internetriese Alibaba nach New York auch in Schanghai an die Börse gehen will. Alibaba hat eben bekannt gegeben, in Europa mit Cloud Computing den USA Konkurrenz zu machen , und verkündete so nebenbei eine Quantencomputer-Plattform. Diese Technik ermöglicht etwa absolut abhörsichere Internet-Kommunikation über Satelliten.

Da findet im Moment die vielleicht entscheidende Auseinandersetzung darüber statt, welche Nationen, schließlich aber auch welches Gesellschaftssystem mit künstlicher Intelligenz unsere Erde inklusive deren Umgebung dominieren wird. Die Europäer schauen mit Interesse zu, fallweise machen sie sogar mit. Der Wiener Spitzenforscher Anton Zeilinger ist am chinesischen Quantencomputer-Projekt beteiligt, die Schweizer haben den drittschnellsten Computer der Erde.

Überwachung, Belohnung, Bestrafung

Im Kalten Krieg haben einander USA und Sowjetunion einen Wettkampf um die Waffen mit der größten Zerstörungskraft und die Eroberung des Weltraums geliefert. Im aktuellen Wettlauf zwischen den USA und China geht es um noch mehr: Die Beherrschung der Künstlichen Intelligenz. Diese wird das Zusammenleben der Menschen ganz grundsätzlich verändern. Computer dürfen aber nicht Entscheidungen über Leben und Tod nach rein mathematischen Methoden treffen. Schon jetzt ist der chinesische Staat der größte Datensammler, eine Voraussetzung für künstliche Intelligenz. Damit werden auch Entscheidungen über das Leben der Menschen getroffen. Die Ergebnisse der permanenten Überwachung werden das Leben ordnen, Verhaltensweisen und auch persönliche Eigenschaften belohnen und bestrafen.

In Europa reden wir von Datenschutz, hier finden auch sinnvolle Debatten über den Umgang mit den umwälzenden Technologien statt. Mit unseren ethischen Bedenken werden wir aber nur gehört werden, wenn Europa auch in Forschung und Umsetzung ganz vorne dabei ist. Da ist noch viel zu tun. Die geplante Besteuerung der Internetkonzerne durch die EU wird nicht reichen.