Leitartikel
12/06/2015

Hilfe für Flüchtlinge, mit unseren Werten

Bei uns darf jeder seine Religion praktizieren, aber Zwang ist unerträglich, auch in der eigenen Familie.

von Helmut Brandstätter

Es geht natürlich nicht um ein Kleidungsstück, wenn so heftig über das Kopftuch diskutiert wird, das wir immer öfter bei uns im Straßenbild sehen. Entweder die strenge Variante, wo kein Kopfhaar zu sehen ist, oder den lockeren Schmuck, wie ihn auch in Teheran selbstbewusste Frauen tragen, als stillen Protest gegen die Mullahs, die alles kontrollieren. "Der Islam gehört zu Deutschland", sagte der frühere deutsche Bundespräsident Wulff. Ja, aber dazu gehört auch, dass wir in alle Winkel unserer Gesellschaft hineinleuchten, von denen wir bisher nichts wissen wollten, weil dabei auch Dinge auftauchen werden, um die wir uns gerne herum geschwindelt hätten. Aber was schon bisher richtig gewesen wäre, wird jetzt umso wichtiger.

"Ein Kopftuch zu tragen ist eine individuelle Entscheidung. Mir ist wichtig, dass Frauen diese Entscheidung selbstbestimmt treffen können", sagt Frauenministerin Heinisch-Hosek – und weiß hoffentlich, dass es muslimische Männer gibt, denen das Gegenteil wichtig ist. Eine andere Ministerin meint – angesprochen auf ein mögliches Verbot der Burka, die das ganze Gesicht verbirgt – sie sei dagegen, weil es in Wien Frauen gibt, die dann nicht mehr ihre Wohnung verlassen dürften. Wie bitte? Die Politik weiß, dass es Frauen gibt, die gegen ihren Willen zu Hause sind? Eine andere Frau erzählt von ihrer 12-jährigen Tochter, die plötzlich keinen Besuch mehr von einem anderen Mädchen bekommt, weil diese jetzt mit Kopftuch gehen muss und nur mehr mit gleichaltrigen Musliminnen spielen dürfe. Ein Kind verhüllt sich freiwillig und bricht Kontakte ab? Sicher nicht. Es gibt keine Bestimmung im Koran, die das Tragen eines Kopftuches verlangt. Aber es gibt männlich dominierte Gesellschaften im arabischen Raum, die die Gleichheit von Mann und Frau nicht akzeptieren und den Koran als Vorwand verwenden. Das dürfen wir bei uns nicht dulden, gerade jetzt, wo Menschen von dort auf der Flucht sind und wir sie beschützen müssen. Warum tun sich gerade Feministinnen so schwer, das klar auszusprechen?

Kein Kopftuch in der Schule

Beginnen wir doch damit, klar hinzusehen: In die Kindergärten etwa, wie das Integrationsminister Kurz jetzt macht. Kleine Kinder kennen keinen Unterschied zwischen In- und Ausländern, sie glauben aber auch nicht, dass Buben etwas besseres sind oder nur eine Religion glücklich macht. Kinder, die gemeinsam aufwachsen, wollen sich nicht plötzlich abgrenzen. Das Kopftuch für junge Mädchen gehört also jedenfalls in der Schule verboten, ohne Wenn und Aber. Das muss auch Frau Heinisch-Hosek verstehen, wenn sie ihre Forderung von der Selbstbestimmung ernst nimmt. Die Zwangsheirat, in anderen Kulturen durchaus anerkannt, wurde ja auch ein eigener Straftatbestand, offenbar, weil sie bei uns vorgekommen ist. Wir müssen in die Familien schauen, wo Männer Gewalt ausüben, auch wenn es im (religiösen?) Glauben geschieht, dazu berechtigt zu sein. Das gehört eben auch zur Integration.

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