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15.12.2017

Haftantrag für KHG?

Hocheggers Geständnis mischt BUWOG-Prozess neu auf.

Staatsanwalt könnte bald Haftanträge für Grasser & Co wegen Fluchtgefahr stellen.

Josef Votzi | über die Wende im Buwog-Prozess

"Er hat mich benützt und ich ihn." So nüchtern beschrieb Peter Hochegger einmal das Verhältnis zu seinem ehemaligen Kumpel Walter Meischberger. Die beiden verbanden einst diskrete Deals, deren millionenschwere Erträge sie in Liechtenstein bunkerten. Dass bei einem der spektakulärsten Geschäfte auch der damalige Finanzminister Grasser die Hand mit aufgehalten hatte, haben Hochegger, Meischberger und Grasser bis gestern vehement geleugnet.

Freitagmittag ließ Hochegger die Bombe platzen und legte ein Geständnis ab: Er wisse, dass Grasser bei der BUWOG-Provision 2,4 Millionen mitgeschnitten habe.

Damit bricht gleich zu Beginn des Monsterprozesses die bisherige Verteidigungsstrategie von Hocheggers prominenten Mitangeklagten krachend zusammen. KHG verließ gestern wortlos den Gerichtssaal. Ihm und seinen Anwälten wird mehr einfallen müssen, als Hochegger der Lüge zu bezichtigen. Die aus Sicht namhafter Strafjuristen jetzt spannendste Frage ist, ob die Staatsanwaltschaft nun bald auch Haftanträge stellen wird. Denn damit, dass aus einem der Angeklagten für Grasser, Meischberger und Plech ein Belastungszeuge wird, könnte nun ernsthaft Fluchtgefahr bestehen. Zudem könnte die Vorstellung, zum Prozess künftig aus einer Zelle vorgeführt zu werden, noch weitere Angeklagte massiv nachdenklich machen.

Acht Jahre nach den ersten Recherchen von couragierten Aufdecker-Journalisten und jahrelangen peniblen Ermittlungen der Justiz könnte so bereits Tag 4 im BUWOG-Prozess zum Tag einer historischen Wende werden.