Für Krawallmacher ist immer Fastenzeit

Weniger Aufmerksamkeit in Medien und Politik für platte Inszenierungen und hohle Köpfe täte allen gut.

Der Mann hat sein Handwerk bei einem Profi-Krawallmacher gelernt: Man nehme einen ereignislosen Sonntag am Beginn einer Ferienwoche; eine ORF-Sendung, der trotz späten Vormittag-Termins eine hohe Schnarch-Quote droht sowie ein paar Kamera-Teams von Konkurrenzmedien – und fertig ist das Billig-Menü für millionenschwere Gratiswerbung in Funk, Fernsehen und Printmedien.

Also begibt sich ein bis dahin namenloser EU-Mandatar in die ORF-Pressestunde. Statt einer vernünftigen Antwort setzt er bei jeder Frage zu einer Suada über den "Hypo-Haftungsskandal" an. Als ihm ein beherzter Moderator das nicht durchgehen lassen will, verlässt er nach sieben Minuten mit Theaterdonner den runden Diskussionstisch. Seither campiert er aus Protest gegen die da drinnen vorm Kanzleramt. Das beschert ihm nach ganzen Titelseiten täglich weitere Berichte am Boulevard und viele Sendeminuten in Funk & Fernsehen.

Selbst sogenannte Qualitätsblätter bieten ihm ganze Zeitungsseiten als Bühne zur Selbstdarstellung, statt knapp zu benennen, welches Stück hier geboten wird: Die billige Inszenierung eines mäßig begabten Nebendarstellers im EU-Parlament, der sein bisher aussichtsloses Überleben in Brüssel sichern will. Er hat schon viele politische Leben hinter sich – als Schwarzer, Liberaler und Assistent eines roten Kurzzeit-Stars. Dem trug er erst die Koffer, dann zieh er ihn der Korruption, um sich schließlich samt Parlamentsmandat von dessen Liste abzusetzen.

Die Karwoche ist eine karge Zeit, dank wenig nahrhafter Nachrichten auch für Medien. Umso mehr wäre Zeit und Muße, bei vermeintlichen "Aufregern" zu fasten – und sie auf das zu reduzieren, was sie sind: Dünne Kost.

(kurier) Erstellt am
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