über die wachsenden Flüchtlingsströme
08/17/2015

Flüchtlinge werden weiterhin kommen

Friede in Syrien wäre der einzige Weg, den Strom der Flüchtlinge zu drosseln – doch wer setzt ihn durch?

von Ingrid Steiner-Gashi

Wie soll der Flüchtlingsstrom je enden, wenn man nicht an seine Ursachen geht?

Mag. Ingrid Steiner-Gashi | über die wachsenden Flüchtlingsströme

Niemand soll hier aus der Verantwortung genommen werden: Keine Regierung in Österreich und auch keine andere eines EU-Staates. Seit vielen Monaten warnen Hilfsorganisationen, dass auf Europa eine beispiellose Flüchtlingswelle zukommt. Und monatelang hat man von Wien bis Brüssel so agiert, als könne man durch Herumlavieren und Nachbessern eine Herausforderung lösen, die zu den größten unserer Zeit gehört. Kolossale Versäumnisse und Managementfehler unserer politischen Führung – das ist das eine.

Das andere aber ist: Wie soll der Flüchtlingsstrom je enden, wenn man nicht an seine Ursachen geht? Mehr als vier Jahre tobt der Krieg bereits in Syrien. Und mehr als vier Jahre lang gab es keine einzige ernsthafte internationale Initiative, den Wahnsinn zu stoppen. Syrische Flüchtlinge, so viel ist sicher, werden so lange nach Europa kommen, so lange der Krieg nicht endet. Österreich kann nicht viel Druck machen, die EU in ihrer Gesamtheit schon ein wenig mehr. Aber hallo? Lebt die UNO eigentlich noch? Oder der Weltpolizist USA – oder gar die Führung in Moskau? Die Idee vom peace-making, sie wurde offenbar vergraben unter einem Berg von Sonderinteressen, die USA, Russland, Saudi-Arabien, Türkei und der Iran jeweils in Syrien verfolgen.

Aber wenn sich schon kein Frieden machen lässt, muss die Welt zumindest dafür sorgen, dass Millionen Flüchtlinge bereits in den Nachbarländern Syriens, die immerhin vier Millionen Menschen aufgenommen haben, irgendwie überleben können. Vielleicht mit mehr und größeren Flüchtlingslagern, sicher aber mit sehr viel mehr Lebensmittelunterstützung. Das kostet Geld, sehr viel Geld, das jedes UN-Land, also auch Österreich, aufbringen muss. Die Fakten sehen freilich anders aus: Wegen Geldmangels muss die UNO ab September die Lebensmittelhilfe für Hunderttausende Flüchtlinge in Jordanien und im Irak einstellen. Und was, so fragt man sich, hat man als Flüchtling auf dem Weg nach Europa schon zu verlieren, wenn man dort, wo man ist, sowieso verhungern würde?