über Arbeitslosigkeit
02/08/2015

Eine halbe Million ohne Job – na und?

Die weltweite Krise darf nicht zur Ausrede werden, nichts zu tun. Die bleierne Stimmung ist hausgemacht.

von Josef Votzi

Eine halbe Million ohne Job – na und?

Josef Votzi | über Arbeitslosigkeit

Gute Nachrichten gibt es für Winterurlauber: Endlich reichlich Schnee. Mehr trübe Aussichten denn je an der Wirtschaftsfront: Kein Wachstum, so weit das Prognostiker-Auge reicht; zehn Prozent mehr Österreicher ohne Job; alarmierend neu ein Plus von 20 Prozent bei Akademikern – darunter viele junge Leute, die über eine lange Liste von Diplomen, Praktika und Auslandssemester verfügen. Rar bleibt für sie nur das, was sie von ihren Vätern und Müttern kennen: Ein Job, von dem man leben und sich eine Existenz aufbauen kann.

Wer aber mit Wirtschaftstreibenden spricht, die neue Jobs schaffen wollen, hört oft haarsträubende Geschichten. Da ein erfolgreicher Jungunternehmer, dort ein eingesessener Firmenchef – beide auf Expansionskurs und sich von Behörden dabei nur schikaniert statt unterstützt fühlen. "Start-up"-Gesinnung? Hierzulande immer noch ein Fremdwort. Statt dessen herrscht "Shut-down"-Spirit: Rette sich, wer kann – und dabei in die Sozialtöpfe greifen, wo und so lange es noch geht. Ausgerechnet Vater Staat leistet als Arbeitgeber bei seinen Mitarbeitern am eifrigsten Fluchthilfe in die Frühpension, enthüllte jüngst der Rechnungshof am Beispiel von drei Ministerien.

Offensive gegen die lähmende Müdigkeit

Was lassen eigentlich jene von sich hören, deren Job es ist, für weniger Geldverschwendung und ein besseres Wirtschaftsklima und zu sorgen? Der Arbeits- und der Wirtschaftsminister nennen ein ganzes Bouquet an technokratischen Maßnahmen: Lohnsubventionen, begünstigte Kredite und eine Bauoffensive. Der Kanzler mahnt mehr Initiativen auf EU-Ebene ein.

In der Politik geht es aber nicht nur um Fakten, sondern auch um Stimmungen. Eine halbe Million ohne Job und keine Aussicht auf baldige Besserung – auch nach den jüngsten schlechten Nachrichten setzt man im Regierungsviertel auf "business as usual". Keine Spur von Aufbruchswillen, um die müde Wirtschaftsstimmung zu heben. Geld für Investitionen gibt es in Banken und Unternehmen zuhauf, was fehlt, ist eine Offensive gegen die bleierne Müdigkeit im Land. Ein "gesellschaftlicher Klimawandel" ist entscheidend, um die Wirtschaft anzukurbeln, sagt AMS-Chef Johannes Kopf (siehe Seite 2).

Der Integrations- und Außenminister ist ein Musterbeispiel dafür, dass es nicht nur auf das Was, sondern auch auf das Wie ankommt. Außenpolitik gehört nicht zu den Steckenpferden der Österreicher. Integrationspolitik war lange ein Tabuthema, an das kein Regierungspolitiker anstreifen wollte. Der zuständige Minister schießt dennoch in allen Umfragen durch die Decke. Sein Erfolgsgeheimnis: Sebastian Kurz kommuniziert immer auf Augenhöhe, strahlt Optimismus und Willen zur Veränderung aus.

Sebastian Kurz ist es so gelungen, Außenpolitik wieder sichtbar zu machen und selbst im Minenfeld der Ausländerpolitik breite Zustimmung zu finden.

Eine Anleihe beim erfrischend unverkrampften Spirit ihres jüngsten Ministers würde der ganzen Regierung und dem Land dringend guttun.

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