Ein Fall fürs Nachsitzen

Die rot-schwarzen Schulreformer müssen aus widerspenstigen Betroffenen reformwillige Beteiligte machen.

Das "Schulautonomiepaket" ist das Prestigeprojekt von Rot-Schwarz. Es verspricht eine schöne neue Schulwelt: Freie Wahl des Unterrichtsbeginns, Abkehr von der starren 50-Minuten-Stunde, flexible Klassengrößen, mehr Unabhängigkeit von oben und mehr Freiraum für unten. Der Teufel steckt offenbar in vielen Details: Über 900 Stellungnahmen von Betroffenen liegen bereits im Parlament. So viele wie noch nie.

Die Neugebauer-geschädigte Öffentlichkeit ist nicht zu Unrecht geneigt, den Widerstand als Wiederkehr der Betonierer abzutun. Das wäre in diesem Fall zu platt. Die Einwände gehen weit über den Kreis der "üblichen Verdächtigen" hinaus. Massive Kritik kommt auch aus dem roten Wien, das schon jetzt mit den hohen Migrantenanteilen in Pflichtsschulen nicht zurechtkommt und daher vor künftig möglichen Gruppengrößen mit mehr als 25 Schülern graut. Da Geld und Ressourcen gleich bleiben, wird so ein neuer Verteilungskampf befürchtet.

Dazu kommt die Krux: In der Schulpolitik gibt es dank vieler kleiner aber oft widersprüchlicher (Reform)-Signale sehr viel verbrannte Erde. Lehrer- und Elternvertreter fürchten nun, das sich hinter dem Zauberwort "Autonomie" nur ein Kürzungsplan verbirgt. Das Gesetz wie geplant noch vor dem Sommer durchzupeitschen, wäre so Harakiri mit Anlauf. Jetzt müssen die gelernte Wissenschaftlerin Sonja Hammerschmid und der PR-Profi Harald Mahrer beweisen, was sie politisch drauf haben. Auch wenn sie es aus guten Gründen nicht so nennen werden: Ab sofort heißt es "Zurück an den Start". Das Schulautonomiepaket ist ein dringender Fall fürs Nachsitzen. Devise: Aus widerspenstigen Betroffenen müssen möglichst viele reformwillige Beteiligte werden. Denn was "Reformen" bringen, die keine Partner in der Praxis finden, kann man schon jetzt in jedem guten Schul-Lehrbuch nachlesen.

(kurier) Erstellt am
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