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27.02.2018

Die CDU nach Merkel – christlich und sozial

Die deutsche Kanzlerin hat ihre Partei noch einmal um sich geschart. Ab sofort geht es um die Zeit danach.

Das Rennen der beiden Konkurrenten ist eröffnet

Dr. Helmut Brandstätter | über die CDU nach Merkel

Es gibt auch Deutsche mit Humor. Mit "Liebe Genossinen und Genossen" begann ein CDU-Delegierter seine Rede beim Parteitag. Vielen Christdemokraten ist die Partei unter Angela Merkel zu sehr nach links gerutscht. Einige Mitglieder sprachen davon, dass "Konservative in der CDU zuletzt sehr viel zu ertragen hatten", von den Flüchtlingen bis zur Abschaffung der Wehrpflicht. Einer meinte, man müsse fragen, ob Gott wolle, dass alle technischen und medizischen Erfindungen auch wirklich angewandt werden.

Einig waren sich Merkels Unterstützer und ihre konservativen Gegner, dass die AfD bekämpft werden müsse und sicher kein Partner sein könne. Jens Spahn, der junge Hoffnungsträger der Konservativen, will sich "abgrenzen von den AfD-Funktionären und deren Ressentiments, Rassismus und der Leugnung des Holocaust."

An dieser Front wollen also alle in der CDU eine "klare Kante" zeigen. Abgesehen davon beginnt bei den deutschen Christdemokraten eine heftige Debatte um den künftigen Kurs. Jens Spahn ist bisher als Kritiker von Angela Merkel aufgefallen und will ihr gerne nachfolgen. Als künftiger Gesundheitsminister wird er Kabinettsdisziplin zeigen müssen und dennoch versuchen, die CDU in Richtung einer konservativen Finanz-und Gesellschaftspolitik zu positionieren. Die Merkel-Vertraute Annegret Kramp-Karrenbauer wird als neue Generalsekretärin eher für eine großzügige Sozialpolitik stehen. Das Rennen der beiden Konkurrenten ist eröffnet. Die gute Nachricht für die CDU: Die Auseinandersetzung wird nicht nur vordergründig über Personen laufen, sondern über einen inhaltlichen Prozess, den sich Parteien heutzutage nur mehr selten leisten.