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29.11.2017

Der ÖSV fädelt bei jedem Schwung ein

Der "Fall Werdenigg" muss Konsequenzen haben – und die Macho-Attitüde endlich ein Ende.

Zum Schutz der Institution ist es wichtig, dass endlich Konsequenzen gezogen werden.

Gert Korentschnig | über den ÖSV und den "Fall Werdenigg"

Dass der Buchstabe "S" in der Abkürzung ÖSV nicht nur für "Ski" steht, sondern in der Vergangenheit auch eine sexuelle Konnotation gehabt hätte, ist nur ein böses Gerücht. Der Skiverband leistet wertvolle Arbeit, bringt regelmäßig Athleten hervor, auf die Österreich stolz sein darf (wenn auch Nationalstolz oft übertrieben wird) – und kein vernünftiger Mensch freut sich darüber, wenn mehr über Skandale als über Erfolge gesprochen wird.

Gerade deshalb, zum Schutz der Institution, ist es wichtig, dass im Zuge der Aussagen der Ex-Rennläuferin Nicola Werdenigg (sexuelle Übergriffe bis hin zur Vergewaltigung) endlich Konsequenzen, auch personelle, gezogen werden. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel hat es verabsäumt, den Verband zeitgemäß, mit der nötigen Sensibilität für solche Problemfelder, auch mit einem dem 21. Jahrhundert entsprechenden Bewusstsein für Compliance-Regeln aufzustellen. Mit jedem Schwung, den er mit Sportdirektor Hans Pum im Zuge der Gegenoffensive unternimmt, fädelt er neu ein. Es geht überhaupt nicht mehr um Beweise, wer Frau Werdenigg wann genau was angetan hat. Es geht darum, wie mit Vorwürfen umgegangen wird. Wie versucht wird, mutige Sportlerinnen mundtot zu machen. Und was man unter Krisen-PR zu verstehen scheint: verbal-muskulöse Testosteron-Kommunikation, wie man sie auch schon in anderen Fällen bemerkt hatte. Dabei hat sich die Welt außerhalb mancher Macho-Verbände, zum Glück, weitergedreht.

Wie sprach doch Peter Pilz bei seinem Rücktritt über die Hoffnung nach einer "Lernfähigkeit von alten, mächtigen Männern"? Gemeint war wohl auch Verantwortung des Chefs, selbst wenn der nicht Täter ist. Nicola Werdenigg hat übrigens auf seiner Liste kandidiert.