Meinung | Kommentare | Innenpolitik
19.10.2017

Der Herr Professor und seine Schüler

Bundespräsident Alexander Van der Bellen muss jetzt zusammenführen, was kaum zusammenpasst.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen muss jetzt zusammenführen, was kaum zusammenpasst.

Dr. Helmut Brandstätter | über den Professor und seine Schüler

"Bis nach Jamaika sind es 8500 Kilometer, die ersten Schritte sind gut gelaufen", freut sich die Generalsekretärin der deutschen Liberalen. Die Koalition zwischen Union, FDP und Grünen steht noch lange nicht, die Verhandler werden sehen, dass sie für den weiten Weg über den Atlantik ein starkes Boot, also viel guten Willen brauchen werden, aber der ist wenigstens zu spüren.

In Österreich macht sich wenige Tage nach der Wahl Ratlosigkeit breit. Sebastian Kurz wird sich nicht mit Begeisterung in eine schwarz-blaue Koalition stürzen, die FPÖ ist ihm fremder, als manchen in der ÖVP lieb ist. In der SPÖ führen allfällige Gespräche mit der FPÖ schon zu heftigen Auseinandersetzungen, während die Freiheitlichen den Eindruck machen, sie hätten zu viel Spinat gegessen. Der SPÖ richten sie aus, endlich einen Art Entschuldigungsparteitag abzuhalten, was nicht stattfinden wird, der ÖVP haben sie vor der ersten Verhandlung bereits das Innenministerium aberkannt.

Spätestens hier kommt der Bundespräsident ins Spiel. Alexander Van der Bellen wird Sebastian Kurz am Freitag mit der Regierungsbildung beauftragen, diese aber sehr genau verfolgen und die Verhandler von ihrer Arbeit berichten lassen. Ob er einen FPÖ- Innenminister angelobt, darf zumindest angezweifelt werden.

In Deutschland lernen einander Leute wie CSU-Chef Seehofer und die Grüne Kathrin Göring-Eckardt erst kennen, bei uns kennen einige Verhandler einander schon zu gut, bis hin zu tiefer Ablehnung. Die Verhandlungen werden noch sehr kompliziert werden, da wird der Bundespräsident vermitteln müssen, da werden am Ende persönliche Befindlichkeiten zurückstehen müssen.