Das Verschleiern von Machtverhält­nis­sen

Wer will, dass Frauen ein Kopftuch tragen, will sie in ihrem Berufsleben benachteiligen. Das ist nun klar.

Vor einigen Monaten hat eine Pharmazie-Studentin im KURIER darüber geklagt, dass sie keine Anstellung in einer Apotheke bekommt, weil sie einen Hijab trägt, einen Schleier, der den ganzen Kopf – nicht das Gesicht – bedeckt. Vielleicht hätte die junge Frau vor ihrem Studium darüber nachdenken sollen, welche beruflichen Möglichkeiten sie hat, wenn ihr ein religiöses Symbol wichtiger ist als ein Arbeitsplatz.

Nun hat auch der Europäische Gerichtshof festgestellt, dass Arbeitgeber Bekleidungsvorschriften machen können, wenn diese nicht diskriminierend sind.

Im Koran gibt es ja viele Passagen, die Frauen eindeutig benachteiligen. Die Verschleierung des Kopfs wird nicht einmal klar vorgeschrieben, sie ist aber eine von vielen Bestimmungen, durch die Männer die Frauen zusätzlich stigmatisieren, jedenfalls einengen wollen. Es gibt zwar immer wieder Frauen, die erzählen, sie würden sich freiwillig verschleiern. Für kleine Kinder gilt das sicher nicht. Es geht um männlich dominierte Gesellschaften, die Frauen verschleiern und unterdrücken. Religion ist da nur mehr eine Ausrede. Kein Wunder, dass Frauen in vom IS befreiten Gebieten ihre schwarzen Schleier schnell verbrennen.

Es liegt jetzt wirklich an den verantwortungsvollen muslimischen Verbänden, endlich klarzustellen, dass ein Schleier für Frauen keine religiöse Pflicht ist. Und dass Frauen, die ihre Religion vor sich her tragen, im Beruf nicht die gleichen Chancen haben werden. Das ist nicht diskriminierend, wie jetzt auch das Höchstgericht festgestellt hat, und das entspricht dem Leben in Österreich, wo Religion Privatsache ist und bleiben muss. Alles für eine bunte Gesellschaft, aber alles gegen Unterdrückung, und sei es nur mit einem dünnen Schleier.

(kurier) Erstellt am
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