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06.03.2013

Das Heer bleibt ein Spielfeld für Amateure

Parteisoldat Darabos muss an die Wahlfront. Im Militär rückt neuerlich ein Anfänger ein.

Josef Votzi | über das Bundesheer

An seinem bisherigen Arbeitsplatz ist er als Wendehals schwer diskreditiert: Erst sah er die Wehrpflicht in Stein gemeißelt, dann machte er am Absatz kehrt zum glühenden Berufsheer-Fan, um nun wieder die Wehrpflicht in Stein zu meißeln.

Norbert Darabos hätte den idealen roten Watschenmann abgegeben, den Schwarz und Blau im Wahlkampf bei Bedarf aus der Kiste holen. Denn nach der schweren Niederlage bei der Wehrpflicht-Volksbefragung am 20. Jänner stand sich der Minusmann der Regierung als Heereschef nur noch selbst im Weg.

Dass der Parteisoldat in die SPÖ-Zentrale abzusalutieren hat, war im Kanzleramt seit dem Wehrpflicht-Waterloo beschlossene Sache. Diesen Sonntag war bei Werner Faymann – trotz des historischen Erdrutsches in Klagenfurt von Blau zu Rot – endgültig Feuer am Parteidach. Für den Wechsel von Gerhard Dörfler zu Peter Kaiser reichte in Kärnten ein Plus von 18.000 Stimmen. Gleichzeitig verlor die SPÖ in Niederösterreich 47.000 Stimmen und schmierte im größten Bundesland von ärmlichen 25 auf jämmerliche 21 Prozent ab. Norbert Darabos, der es 2006 schaffte, Alfred Gusenbauer zur Nummer 1 zu machen, soll nun als Wahlkampfmanager dafür sorgen, dass für die Roten nicht ganz Österreich zu Niederösterreich wird.

Die verheerende Baustelle Militär muss mit Gerald Klug jemand übernehmen, der bisher nur intern als ehrgeizig aufgefallen ist. Würde Heereschef Darabos eine ordentliche Unternehmenskultur hinterlassen, käme nur einer infrage, die paar Monate bis zur Wahl das Kommando zu übernehmen: Armeevizechef Othmar Commenda hat als rechte Hand von Helmut Zilk jenen Reformplan erarbeitet, der seit 21. Jänner eine neue Renaissance erlebt – wer auch immer den Minister mimt.