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24.07.2017

Berlin gegen Erdoğan: Danke Deutschland

Die scharfe Kritik an Ankara ist komplett richtig. Der türkische Präsident versteht keine andere Sprache.

Die scharfe Kritik an Ankara ist komplett richtig. Der türkische Präsident versteht keine andere Sprache.

Mag. Walter Friedl | über Erdoğan

Okay, es ist Wahlkampf in Deutschland und auch in Österreich. Und der Sieg des niederländischen Premiers Mark Rutte bei den Märzwahlen zeigt: Türkei-Bashing kommt gut, bringt Stimmen und gräbt den Rechtspopulisten das Wasser ab. Dass nun aus Berlin, auch von den Sozialdemokraten, die aus dem tiefroten Umfragekeller nicht und nicht herauskommen, aber auch von der konservativen Union sehr harsche Worte Richtung Ankara tönen, mag ein wenig dem Urnengang im September geschuldet sein. Aber: In der Regel gehören deutsche Politiker in Verantwortungsposition, angeführt von der stets um- und vorsichtigen Kanzlerin Merkel, nicht zu jenen Polit-Abenteurern, die des vermeintlichen Vorteils willen losschlagen, was im Übrigen hierzulande schon systemisch zu sein scheint.

Nein, die deutsche Kritik an der Türkei ist komplett richtig und war längst überfällig. Wenn "Sultan" Erdoğan Menschenrechtler, Journalisten, Oppositionelle haufenweise einsperren lässt, muss irgendwann einmal die rote Linie gezogen werden. Wenn noch dazu deutsche Staatsbürger betroffen sind, hat Berlin gar keine andere Wahl als zu reagieren.

Denn es ist unerträglich, wie der türkische Präsident mit dem eigenen Land fuhrwerkt, beziehungsweise wie er glaubt, ganz Europa in Geiselhaft nehmen zu können. Und den Kontinent dabei verspottet: Es sei ihm egal, was "Hans" (Deutschland) und "George" (Großbritannien) über eine Wiedereinführung der Todesstrafe denken.

Die EU darf sich von solchen Ansagen, die sich von selbst richten, nicht provozieren lassen, sondern sachlich kontern: Ja, wir brauchen die Türkei in der Flüchtlingskrise und als NATO-Partner in Sicherheitsfragen. Aber was die Wirtschaft anbelangt, ist Ankara weit stärker von Europa abhängig als umgekehrt. Das sollte man Erdoğan spüren lassen. Eine andere Sprache versteht er nicht.